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„Von Kräuterhexen und Beipackzettelübersetzern“

Wiebke Günther

Warum kann die Pille Thrombose verursachen?

Viele von euch haben das bestimmt schon gehört. Die Verhütungspille für die Frau hat etliche Nebenwirkungen. Dafür steht sie hart in der Kritik. Aber wie kommen die eigentlich zustande? Und muss ich als Frau davor Angst haben?

Foto: Viele verschiedene Verhütungsmittel für die Frau

Foto: Es gibt so viele verschiedene Verhütungsmittel, dass Frau zum Teil nicht weiß, welche Vor- und Nachteile diese haben.

Etwas sehr Grundlegendes für uns Pharmazeuten: Es gibt kein Medikament ohne Nebenwirkungen. Deswegen heißen die nicht Nebenwirkungen sondern „unerwünschte Arzneimittelwirkungen“, kurz UAWs.

Die Antibabypille war damals eine Revolution für Frauen. Endlich konnten sie selbstbestimmt und sicher verhüten, aber das auch zu einem hohen Preis. Ich könnte jetzt unendlich viele UAWs für die Pille aufzählen, zum Beispiel Depressionen, Kopfschmerzen, Migräne, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme usw. Viele Frauen fragen sich, warum die Pille nicht weiterentwickelt wird und diese Wirkungen eliminiert werden. Aber das ist leider nicht so leicht.

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Antibabypillen, die sich in der Zusammensetzung unterscheiden. Für diesen Beitrag beschränke ich mich auf die gängigste Form, nämlich das Einphasenpräperat. Das hat für 21 Tage eine gleichbleibende Zusammensetzung von Estrogen- und Progesteronderivaten.

Diese Hormone werden auch im Körper der Frau synthetisiert (Auch bei Männern, aber wesentlich weniger). Sie sind für die Heranreifung der Eizelle, den Eisprung und die Ausreifung der Gebärmutterschleimhaut zuständig. Am Anfang des weiblichen Zyklus wird Estrogen produziert und nach dem Eissprung zusätzlich noch Progesteron. Wenn eine Frau schwanger wird, wird kontinuierlich Estrogen und Progesteron produziert, dadurch kann es nicht zur Heranreifung einer weiteren Eizelle und nicht zu einem erneuten Eisprung kommen. Durch die Einnahme der Pille wird dem Körper vorgegaukelt schwanger zu sein, da kontinuierlich beide Hormone vorhanden sind. Aber diese haben nicht nur Effekte auf den Reproduktionstrakt, sondern auch auf andere Organe. So auch auf die Blutgerinnung. Aber das ist leider etwas, was nicht unterdrückt werden kann. Unser Körper ist nämlich sehr schlau, denn während einer richtigen Schwangerschaft wäre es für die Frau und das ungeborene Kind natürlich nicht besonders gut bei Verletzungen viel Blut zu verlieren. Daher fördert Estrogen die Gerinnungsfaktorsynthese in der Leber, dadurch kommt es bei einer Verletzung zu einem schnelleren Verschluss von Wunden. Leider kommt es dadurch auch zu Thrombose. Bei einer richtigen Schwangerschaft ist das Thromboserisiko daher um das Zehnfache erhöht, bei der Einnahme der Pille um das Dreifache. Diese natürlichen Effekte können nur sehr schwer unterdrückt werden.

Im Körper gibt es unterschiedliche Rezeptoren für Estrogene, die verschiedene Effekte ausführen. Leider ist es bisher noch nicht gelungen einen Arzneistoff zu entwickeln, der so spezifisch ist, dass die UAWs unterdrückt werden können.

Für mich ist es immer schwer diese Kritik an der Antibabypille zu hören. Natürlich finde ich es nicht gut, wie viele UAWs dieses Verhütungsmittel hat, andererseits ist es das Sicherste auf dem Markt. Die Forschung an neueren Arzneistoffen ist leider auch nicht sehr leicht. Es gibt viele weitere Aspekte, welche beachtet werden müssen, die ich hier nicht aufgezählt habe.

Das war jetzt ein kurzer Überblick über ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema. Den ganzen Umfang von Ursache und Therapie behandeln wir in unserem Studium. Wenn ihr dazu noch mehr wissen wollt könnt Ihr gerne einen Kommentar hinterlassen.

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