Studienbotschafter*innen

Till Gaßmann

Ich will wissen, was uns prägt.

Ich studiere Erziehungswissenschaft und bin Studienbotschafter für Mensch und Gesellschaft

Studienbotschafter Till Gaßmann

Darum Halle

Darum Halle

Ein Wechsel des Studienfachs ist kein Drama

Ich bin ein absolutes Stadtkind. Geboren in Duisburg aufgewachsen in Moers, bin ich daran gewöhnt, dass EINE Stadt mehr oder weniger fließend in die NÄCHSTE übergeht. Und obwohl ich mich im manchmal chaotischen Ruhrgebiet immer sehr wohl gefühlt habe, wollte ich nach dem Abi trotzdem etwas Neues kennenlernen und ausprobieren.

Nach einem Mini-Praktikum in der Anwaltskanzlei meines Onkels kurz nach dem Abi, wollte ich erst einmal Jura studieren. Nicht unbedingt, weil ich es so toll fand, sondern eher, weil ich ehrlicherweise auch nichts besseres wusste. Also bewarb ich mich bundesweit. Die Zusage aus Halle habe ich auch deshalb angenommen, weil das Jura in den einschlägigen Rankings sehr gute Bewertungen hier hat.

Meinen neuen Studienort kannte ich zuvor überhaupt nicht. Als ich mit dem Zug hier ankam, war es erst einmal schon komisch, so auf sich allein gestellt zu sein. In meinem zweiten Studienjahr war zugleich die Zeit der Flüchtlingskrise und so begann ich, mich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Wenig später bekam ich einen Tandem-Partner, ein junger Syrer, den ich bei seinen ersten Schritten an der Uni begleitet habe. Das soziale Engagement war für mich ein guter Einstieg in mein neues Leben, denn so habe ich im Lauf der Zeit viele Leute kennengelernt, die ähnlich wie ich ticken. Außerdem hat es mir noch neue Perspektiven eröffnet, die mich dazu anregten meine Studien- und Berufswahl zu überdenken.

Die vielen Freundschaften sind auch ein Grund, warum ich mich in Halle inzwischen zu Hause fühle. Nur sehr selten im Jahr fahre ich noch in meine alte Heimat. - Doch so glatt, wie das jetzt alles klingt, war der Weg bis zu diesen Zustand natürlich nicht. Es hat vier Jahre (!) gedauert, bis ich nicht nur mit meinem Studienort sondern auch mit meinem Studienfachwahl zufrieden war. 2016 schmiss ich mein Jurastudium und begann mit Lehramt für Mathematik und Geschichte. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mir Spaß gemacht, aber der starre Schulkontext hat mir zu wenig Raum für eigene Ideen gelassen. Und so wechselte ich ein zweites Mal den Studiengang und bin nun seit 2018 für Erziehungswissenschaften mit dem Zweitfach Politikwissenschaften als 90er Bachelor eingeschrieben.

Seitdem habe ich endlich das Gefühl, angekommen zu sein. Unter meinen Kommiliton*innen habe ich viele Gleichgesinnte getroffen. Leute, die sich engagieren und etwas in der Gesellschaft zum Guten bewegen wollen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich Euch sagen: Auch ein wiederholter Wechsel des Studienfachs ist kein Drama. Und deshalb solltet Ihr den Mut dazu haben, wenn Ihr das Gefühl habt, dass Eure Wahl falsch war.

Mein Studium

Mein Studium

Lernen vor und in historischer Kulisse

Gut zu wissen: Die Erziehungswissenschaften haben innerhalb der Universität Halle einen hohen Stellenwert. Sie sind gut ausgestattet und reibungslos organisiert. Viele Lehrveranstaltungen finden in den Franckeschen Stiftungen statt. Das bedeutet: Lernen vor und in historischer Kulisse. Das ist wirklich was fürs Auge. Allerdings, wer - wie ich - fast zwei Meter groß ist, für den sind die niedrigen Decken in den restaurierten Fachwerkhäusern manchmal eine echte Herausforderung:-) Aber davon mal abgesehen, lässt sich das Studium dort zeitlich frei gestalten und man kann (und sollte) sich frühzeitig einen Schwerpunkt wählen.

Obwohl in meinem Semester rund 200 Studierende mit mir angefangen haben, habe ich bisher in jeder Lehrveranstaltung einen Platz bekommen. Ich finde, der Studiengang ist eine gute Alternative für all diejenigen, die eigentlich an einer Fachhochschule den eher praktisch orientierten Studiengang Soziale Arbeit wählen wollten, dort aber aufgrund des hohen NC keinen Platz bekommen haben.

Ich denke, dass die Erziehungswissenschaften ein guter Einstieg für alle sind, die pädagogisch arbeiten wollen, und zwar auch außerhalb einer Schule. Ich würde später gern in die politische Bildung einsteigen, zum Beispiel bei der Landeszentrale für Politische Bildung. Man muss sich nur in der Gesellschaft umschauen, um zu sehen, dass solche Einrichtungen mehr als wichtig sind. Ich würde gern dazu beitragen, den Aufstieg der AfD einzudämmen und das Demokratieverständnis meiner Mitmenschen zu erhöhen.

Mein Stundenplan

Damit Ihr einen Eindruck bekommt, hier mein aktueller Wochenplan aus dem vergangenen sechsten Fachsemester mit kleinen Kommentaren:

Ich studiere einen 180-Bachelor-Studiengang, der aus zwei Studiengängen, Erziehungswissen-schaft und Politikwissenschaft, zusammengesetzt ist. Ich habe diese Kombination ganz bewusst gewählt, um mich auf den Bereich der politischen Bildungsarbeit außerhalb des schulischen Kon-textes (Stiftungen, politische Projekte usw.) zu spezialisieren. Daher habe ich auch jede Woche aus beiden Fachgebieten Veranstaltungen.

Montag

Klingeling! Pünktlich um 8:00 Uhr morgens reißt mich mein Wecker aus dem Schlaf, denn die Uniwoche beginnt für mich schon um 9:00 Uhr morgens mit meinem Nebenjob. Aktuell helfe ich als Studienbotschafter auch in anderen Abteilungen der Uni Halle aus. So bin ich montags immer in der Finanzabteilung der Uni Halle und helfe dort bei Katalogisierung des Rechnungswesens. 

Danach radle ich gemütlich wieder nach Hause, wo mich am Nachmittag meine erste Online-Vorlesung der Woche erwartet. Das Thema: Politikdidaktik. In der Vorlesung erfahren wir etwas über die Methoden und Regeln politischer Bildungsarbeit.

Am Abend wäre es dann normalerweise noch direkt zu meinem ersten Uni-Sportkurs der Woche gegangen: Boxen. Da dies aber aktuell (noch) nicht wieder möglich ist, halte ich mich mit Joggen auf der Peißnitzinsel, unserer großen Parkanlage in Halle, halbwegs fit.

Dienstag

Wie der Freitag gehört dieser Tag zu den Wochentagen an denen ich aktuell komplett frei habe. Das liegt aber primär daran, dass ich bereits fast alle Module besucht und abgeschlossen habe und daher schon auf das Ende meines Studiums inklusive Bachelorarbeit zu gehe. Das bedeutet aber nicht, dass ich den ganzen Tag frei habe. Da ich zwei meiner Prüfunsgleistungen aus dem Wintersemester nämlich erst zum Zweit-Abgabetermin angemeldet habe, muss ich diese bis Mitte Juli abgabebereit haben. Daher nutze ich den Tag, um an einer der beiden Hausarbeiten zu schreiben. In einer der beiden beschäftige ich mich mit dem arabischen Frühling und der Frage, wie sich die beiden Länder Ägypten und Tunesien seit der Revolution 2011 entwickelt haben.

Mittwoch

Der Mittwoch ist dieses Semester der Tag, an dem ich, zusammen mit dem Donnerstag, die meisten Uni-Veranstaltungen habe. Zum einem das erziehungswissenschaftliche Seminar "Erziehung & Politik" und zum anderen die aufbauende Übung zur Didaktikvorlesung von Montag. Beide Veranstaltung finden aktuell auch rein online statt. Dafür treffen wir uns in Online-Meetingräumen und besprechen entweder aktuelle Lektüre oder machen kleine Gruppenarbeiten zur Reflexion der bisher behandelten Themen. 

Donnerstag

Am Donnerstag geht es dann direkt am Vormittag weiter mit meinen wöchentlichen Uni-Veranstaltungen. Los gehts mit meinem politikwissenschaftlichen Seminar zum Thema "Erinnerungskultur". Ein sehr spannendes Thema! Bevor aber inhaltlich losgelegt wird besprechen wir immer zu Beginn mit unserem Proffessor erst einmal aktuelle politische Ereignisse der Woche, die zum Thema Erinnerungskultur passen, z.B. der Tag der Befreiung im vergangenen Mai. Inhaltlich schauen wir dann aber im Verlauf des Seminars noch genauer auf die Entwicklung der Erinnerungskultur in Deutschland, wie beispielsweise der Entwicklung rund um die Aufarbeitung des dritten Reiches oder auch der DDR.

Nachmittags geht es dann zu meinem Lieblingsseminar: Sozialpädagogisches Projektmanagement in der Integrationshilfe. Hier können wir uns nämlich in Kleingruppen unser eigenes kleines Projekt für die Integrationshilfe ausdenken, planen, organisieren und bis zum Ende des Semesters als Prüfungsleistung umsetzen.

Freitag

Mein Freitag sieht dann wieder so aus wie mein Dienstag. Den freien Tag nutze ich entweder zum Arbeiten oder zum Schreiben an meiner zweiten Hausarbeit. In dieser beschäftige ich mich mit einer Rede des AfD-Abgeordneten Gottfried Curio und versuche mit Hilfe der Analyse dieser Rede aufzuzeigen, inwiefern Curio sich rassistisch äußert bzw. negativ konnotierte Vorurteile für seine politischen Zwecke befeuert und missbraucht.

Leben und Freizeit

Leben und Freizeit

Halle ist eine tolle Stadt zum Studieren. Vor allem die Altstadt hatte es mir sofort angetan, denn bei uns im Ruhrgebiet findet man so etwas leider selten; viele Innenstädte wurden im zweiten Weltkrieg zerstört. Bei Veranstaltungen der schulischen Berufsorientierung habe ich einige Unis in meiner Nähe kennengelernt, die neu und zweckmässig gebaut wurden; also im Wesentlichen aus grauen Betonklötzen bestanden. Da sind viele der alten traditionsreichen Unigebäude in Halle kein Vergleich mit.

Auch im Umfeld der Uni ist der Wohlfühlfaktor enorm hoch. Es gibt überall schöne Plätze mit  historischen oder neu entstandenen Gebäuden. Und es gibt eine reiche Clubszene. Dazu noch die vielen Angebote des Universitätssportzentrums, die zum Experimentieren einladen!

Inzwischen bin ich vom Wohnheim in eine Dreier-WG ins gründerzeitlich geprägte Paulusviertel umgezogen. Meine Mitbewohner sind alle sozial engagiert, ich habe sie über die studentische Initiative „Rock Your Life Halle e.V.“ kennengelernt, die Kinder aus bildungsfernen Familien im Alltag unterstützen.


Video: Uni Halle

Aus meinem Blog

Eure Frage an Till

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