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„Auf den Spuren Franckes, Schleiermachers und natürlich Händels“

Charlotte Wagner

Interview mit Eve II: Spiritualität und Glaube im Studium

Heute ist meine Kollegin Sabrina mit einem Gastbeitrag an der Reihe.

Zu sehen ist Studienbotschafterin Eve Tessenow bei einem Ausflug ins Burger-Restarant

Foto: Studienbotschafterin Eve beschäftigt sich auch in ihrer Freizeit intensiv mit den Themen ihres Studiums.

Letzte Woche hat Eve uns bereits einen Einblick in ihren Studiengang und ihr Interesse an theologischen und philosophischen Themen gegeben.

In diesem zweiten Teil erzählt uns Eve ein bisschen über ihr Leben, mit welchen Vorurteilen sie konfontiert ist und ihr Verhältnis zu Glauben und Spiritualität.

Lies selbst!

Sabrina: Eve, hat sich dein Verhalten durch die Auseinandersetzung mit Spiritualität im Studium geändert?

Also, wenn man es von einem religiösen Standpunkt betrachtet, dann nicht. Ich glaube auch nicht, dass das in mir durch Nachdenken über Strömungen oder Ähnliches ausgelöst wurde, sondern durch eine lange Erkrankung und weil ich versuche, mich selbst immer wieder ins Verhältnis zu meinem Umfeld zu setzen und mein Handeln zu reflektieren. Das ist, meiner Meinung nach, aber grundsätzlich kein spiritueller Ansatz.

Sabrina: Welches ist deiner Meinung nach ein weit verbreitetes Missverständnis bezüglich Bibelauslegung?

Grundsätzlich alles!

Es ist nervig, dass, sobald man erwähnt, dass man Theologie studiert, alle denken, man würde alles glauben und wissen, was in der Bibel steht. Das ist aber nicht der Fall!

Eine Kurzfassung des Problems: Es gibt nicht „die eine“ Bibel. Es gibt allein im Deutschen verschiedene Bibelübersetzungen, die Sprache ist nicht immer gleich. Ich nenne mal die bekanntesten Übersetzungen: „Luther 2019“, „Luther 1984“, „Zürcher“, „Elberfelder,“ „Bibel in Gerechter Sprache“, „Einheitsübersetzung“, …

In den meisten gibt es bereits Unterschiede in der Wortwahl: Es ist etwas anderes, wenn jemand „Gott“, „HERR“, „Göttin“ oder „Götter“ schreibt. Betrachtet man die Fremdsprachen (v.a. Hebräisch, Griechisch, Latein), die Originaltexte und Diskussionen um „ursprünglichere“ Textvarianten, ist einfach zu erkennen, dass wir nicht genau wissen, Was nun eigentlich genau in DER Bibel steht. Dazu kommt noch, dass Bibelauslegung patriarchal geprägt ist. Frauen bzw. das Denken, dass auch Frauen gemeint sein könnten, wird wenig mit einbezogen. Das muss aber nicht so sein.

Persönlich vertrete ich auch feministische Denkansätze und weiß, dass diese sich mit dem Theologiestudium und der Bibelauslegung vereinbart werden können. Die Bibel kann und muss eben, wie das Wort schon sagt, ausgelegt werden. Und damit ist nicht nur der „fertige“ deutsche Bibeltext gemeint, auch die hebräische oder griechische Textvorlage kann „zeitgemäßer“ übersetzt und ausgelegt werden.

Sabrina: Gibt es Religionskritiken, die du nachvollziehen kannst?

Ja, natürlich kann ich viele nachvollziehen. Ganz klassisch Marx mit seinem Ansatz, Religion sei „Opium des Volkes“.

Sabrina: Wie würdest du Spiritualität und Glaube unterscheiden? Denkst du, dass man das überhaupt kann?

Dazu müsste man erst mal wissen, was Glaube und Spiritualität überhaupt sind oder konkret sein sollen. Woran macht man das fest? Ich denke, dass viele Menschen sagen: „Ich glaube nicht“ und eigentlich meinen: „Ich glaube nicht daran, was in der Kirche gelehrt wird“, ohne Genaueres dazu zu wissen. Außerdem ist „glauben“ ein Verb, also ein auf Aktivität ausgelegtes Wort, mit drei Dimensionen:

Es kann…

1. natürlich das „religiöse“ Glauben gemeint sein („Ich glaube an“)

2. eine Wahrscheinlichkeit gemeint sein, wie: „Ich glaube, dass es morgen regnen

wird“

3. auf eine andere Person bezogen sein, also jemandem glauben bzw. Glauben schenken.

Interessant: Mindestens 2 von 3 Dimensionen, die ich spontan mit dem Verb „glauben“ verbinden kann, erfüllen das klassische und klischeebelastete „Spirituell Sein“ nicht. Es lohnt sich also, weiter darüber nachzudenken, wie diese zwei Dinge im Verhältnis stehen. Das versuche ich auch in meinem Studium.

Sabrina: Vielen Dank, Eve!

Leider konnten wir uns aufgrund der Pandemie nicht persönlich treffen, sonst wären sicherlich noch viel mehr Fragen und interessante Themen im Gespräch aufgekommen.

Wir bedanken uns vielmals bei Eve, die sich die Zeit genommen hat unsere (manchmal vielleicht etwas schwierigen und tiefgründigen) Fragen so ausführlich und offen zu beantworten. Persönlich will ich, Sabrina, mich auch bei Charlotte für die tolle Zusammenarbeit bedanken und auch natürlich dafür, dass ich hier meinen Gastbeitrag veröffentlichen konnte.

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