Mit Kindern auch abends studieren? WeinbergKids macht’s möglich

Es ist ein sonniger Nachmittag am Weinberg. Während des Semesters herrscht hier reges Treiben, wenn Studenten, die hier in den Wohnheimen leben, zu Seminaren, Vorlesungen oder auch zur Weinbergmensa eilen. Unter ihnen sind auch viele junge Eltern, die das Studieren mit dem Familienalltag unter einen Hut bringen wollen. An der Martin-Luther-Universität hat man dafür ein sehr offenes Ohr und in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk und dem Studierendenrat schon viele Projekte ins Leben gerufen. Die Kindertageseinrichtung Weinberg ist eines davon. Hier können studentische Eltern und Angehörige der Uni ihre Kleinsten in profunde Obhut geben. Doch was ist, wenn Vorlesungen abends stattfinden? Dafür existiert seit Mai 2013 ein weiteres Kinderbetreuungsangebot: die WeinbergKids. In den liebevoll hergerichteten Räumlichkeiten – sogar die WC’s sind auf verschiedene Altersgruppen und Kindergrößen ausgelegt – können Eltern ihre Kinder bis 20.30 Uhr von Tagespflegepersonen betreuen lassen. Ich-will-wissen Redakteur Nico Elste sprach über die neue Randzeitenbetreuung mit Thomas Faust und Stephanie Hellwig vom Studentenwerk Halle.    

Was verbirgt sich hinter der Einrichtung „WeinbergKids“?  

Thomas Faust: Bei den WeinbergKids handelt es sich um eine Kurzzeit-Kinderbetreuung. Primär geht es um die Zeit, zu der die Kindertagesstätte geschlossen hat. Unsere Kita am Weinberg hat beispielsweise von 6.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Wenn dann Vorlesungen oder Seminare in den Abendstunden stattfinden, können viele studentische Eltern diese nicht wahrnehmen. Deswegen haben die Martin-Luther-Universität mit dem Familienbüro, der Studierendenrat und wir das Studentenwerk dieses Projekt auf die Beine gestellt.  

An wen richtet sich das Angebot?  

Thomas Faust: Hauptsächlich natürlich an studentische Eltern. Aber auch Beschäftigte der Martin-Luther-Universität, deren Forschungsverbünde, An-Institute wie Univations und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das IAMO, das Max-Planck-Institut oder die Fraunhofer Institute ebenso wie die Beschäftigten des Studentenwerks können das Angebot nutzen.    

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um das Betreuungsangebot nutzen zu können?  

Thomas Faust: Tatsächlich muss man keine weiteren Voraussetzungen erfüllen, als ordentlich immatrikuliert zu sein. Ebenso wenig muss man angeben, weswegen eine Kinderbetreuung gewünscht wird. Niemand muss nachweisen, dass er oder sie Vorlesungen oder Seminare zu den gewünschten Betreuungszeiten hat. Allein der Bedarf ist ausschlaggebend. Alle Anderen müssen per Mitarbeiterausweis nachweisen, dass sie Beschäftigte der MLU oder anderweitiger mit der Uni verbundener Einrichtungen sind.    

Wie viele Kinder werden von einer Tagespflegeperson bei den WeinbergKids betreut?  

Thomas Faust: Maximal fünf Kinder werden von einer Tagespflegeperson betreut. Unsere Räumlichkeiten sind für zehn Kinder ausgelegt, sodass wir maximal zwei Tagespflegepersonen beschäftigen können.    

Wie viel Platz steht zur Betreuung der Kinder zur Verfügung?  

Thomas Faust: Die gesamte Fläche der WeinbergKids umfasst rund 90 Quadratmeter. Die drei Räume, in denen wir die Kinder betreuen, sind dagegen knapp 50 Quadratmeter groß; der Rest teilt sich in Toiletten, Umkleide usw. auf.    

Was erwartet die Kinder in der Betreuung?  

Thomas Faust: Neben Ruhemöglichkeiten gibt es vielerlei Spielangebote für Kinder unterschiedlichen Alters und Geschlecht. Da wir nur eine Kurzzeitbetreuung anbieten, können wir natürlich auf keine speziellen pädagogischen Konzepte zurückgreifen. Dafür ist die Zeit, in der die Kinder betreut werden, einfach zu kurz. Natürlich haben wir quasi alles da: vom Hörbuch bis zum Malbuch, von Puppen bis zu Autos – wir können, dank des Betreuungsschlüssels sehr individuell auf die Kinder eingehen und gezielt mit ihnen spielen.  

Stephanie Hellwig: Unsere Möbel und Spielsachen sind vergleichbar mit denen im Kindergarten: wir haben z. B. eine Bastel-, eine Bau- und eine Puppenecke. Es ist eine Kombination aus Möbeln und Spielsachen sein, die die Kinder aus dem Kindergarten und von zu Hause kennen.  

Thomas Faust: Dass die Kinder sich sehr schnell eingewöhnen und sich wie zu Hause fühlen,  war uns bei der Einrichtung tatsächlich sehr wichtig.    

Was kostet das Angebot?  

Thomas Faust: Von 15.30 Uhr bis 20.30 Uhr können studentische Eltern ihre Kinder bei den WeinbergKids betreuen lassen. Diese Zeit wurde in zwei Betreuungszeitfenster – von 15.30 bis 18.00 Uhr und 18.00 bis 20.30 Uhr – geteilt, die sich an den Vorlesungszeiten orientieren. Darin enthalten ist außerdem ein Zeitpuffer. Wenn studentische Eltern beispielsweise in der Innenstadt eine Vorlesung bis 17.45 Uhr haben, benötigen sie ja circa 15 Minuten, um hier her zu kommen und ihre Kinder abzuholen. Ein Betreuungszeitfenster kostet für Studierende 5,- Euro, das entspricht 2,- Euro pro Stunde. Alle Anderen bezahlen für ein Betreuungszeitfenster 12,50 Euro. In der Betreuung ist aufgrund der kurzen Zeit keine Verpflegung enthalten. Die Eltern sind daher angehalten, Verpflegung ebenso wie Windeln oder auch Hautpflegeprodukte mitzubringen. Natürlich haben wir Windeln in verschiedenen Größen und Hautpflegeprodukte hier und natürlich bekommt ein Kind auch Tee oder Kekse, sollte so etwas einmal vergessen werden. Aber die Eltern sollten diese Sachen prinzipiell mitbringen.  

Wie ist die Resonanz bisher?  

Thomas Faust: Gestartet sind wir am 6. Mai. Seither ist die Resonanz schon ziemlich gut. Die Auslastungsgrenze haben wir aber noch nicht erreicht. Wir sind jedoch guter Dinge, dass die Weinbergkids gerade im kommenden Wintersemester stärker nachgefragt werden.  

Wie meldet man sich an?  

Thomas Faust: Wir haben dafür ein Internetportal unter www.weinbergkids.de eingerichtet. Dort sieht man auf der Startseite einen Kalender mit den Betreuungsterminen der nächsten Tage. Auf dieser Seite kann man sich mit seinen Daten registrieren, bekommt dann eine E-Mail mit Passwort zugeschickt und nach der Freischaltung kann man die eigenen Daten und die der Kinder jeweils mit Geburtsdatum, eventuellen Besonderheiten wie Unverträglichkeiten, Allergien etc. eintragen und darüber hinaus abholberechtigte Personen vermerken. So können nach Hinterlegung der Ausweispapiere neben den Erziehungsberechtigten auch die nahen Verwandten oder auch Kommilitonen die Kinder abholen und bringen. Nun kann man sich Betreuungszeitfenster wählen und diese wird dann unmittelbar reserviert. Nach kurzer Zeit erhalten die Erziehungsberechtigten eine Mail mit der Bestätigung – und das war es. So kann man rund um die Uhr unser Betreuungsangebot reservieren. Wenn die Kinder kommen, wird dies nochmal per Unterschrift bestätigt, dasselbe passiert bei der Abholung. Damit sind alle rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllt und dokumentiert. Auch die Zahlungsmodalitäten haben wir so effektiv wie möglich gestaltet. Allen studentischen Eltern werden die Gebühren der Betreuung werden einfach per Einzugsermächtigung im nächsten Monat in Rechnung gestellt und per Lastschrift abgebucht.      

Welche Möglichkeiten der Betreuung bietet das Studentenwerk noch?

Thomas Faust: Eine ganze Menge: unsere Kita am Weinberg bietet beispielsweise 129 Plätze zur Ganztagsbetreuung von Kindern. Davon entfallen 54 auf die Krippe, in der Kinder bis drei Jahre betreut werden. Die verbleibenden 75 Plätze sind für Kinder bis zum Schuleintrittsalter in unserer Kita bereitgestellt. Auch das Angebot richtet sich vorrangig an studentische Eltern. Die Kinder werden nach dem Konzept „Bildung elementar“ betreut, welches in Sachsen-Anhalt verbindlich ist und in jeder Kita Anwendung findet. Außerdem bietet das Studentenwerk seit 2010 das sogenannte Begrüßungsgeld. Frisch gebackene Eltern können auf Antrag 100,- Euro Begrüßungsgeld als Zuschuss zur Erstausstattung erhalten. Außerdem bieten wir den kostenlosen Kinderteller für studentische Eltern. Man muss nur einen Antrag stellen und erhält einen Kinderteller und bekommt in der Mensa zu seinem eigenen ein kostenloses Gericht für die Kleinen. In der Harzmensa gibt es eine extra eingerichtete Kinderecke und jede Mensa bietet mittlerweile eigene Kinderstühle und Wickelmöglichkeiten in den Sanitäranlagen. Außerdem bietet das Studentenwerk ein spezielles Beratungsangebot für studentische Eltern und wir sind natürlich eng mit der MLU, dem Familienbüro und dem Studierendenrat und der AG „Studieren mit Kind“ verknüpft. Zusammen bieten wir viele Veranstaltungen an: wie z. B. das Elterncafé am Ende des Semesters oder auch Informationsveranstaltungen zu Beginn eines jeden Semesters. Damit wollen wir studentischen Eltern alles bieten, was es braucht, um an der Uni Halle das Studieren mit der Familie bestens verbinden zu können und dabei am studentischen Leben auch viel Spaß zu haben.