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Alltag? Nicht in der Uni!

Mittlerweile bin ich im vierten Semester, doch noch immer macht sich mein Studiengangwechsel vom Lehramt Mathe/Bio zum Bachelor-Studium bemerkbar. Das merke ich vor allem, wenn ich meinen Plan für das Semester mit den anderen Bachelor-Studenten vergleiche. Gerade bei den grundlegenden Modulen hänge ich etwas hinterher. Doch auch die persönlichen Interessen unterscheiden sich, daher sieht man nicht alle Kommilitonen in jeder Veranstaltung. Jeder studiert eben das, was ihm gefällt.

Schaue ich mir meinen Stundenplan an, so sieht kein Tag aus wie der andere. An dem einen gehe ich wegen einer Veranstaltung in die Uni, an einem anderen habe ich acht Stunden volles Programm. Langweilig wird es dabei nie – es gibt immer was zu tun. Vor allem Übungsserien. Diese bestehen aus Aufgaben, für deren Bearbeitung man meist eine Woche Zeit hat. Und man sollte sie ernst nehmen, immerhin braucht man 50 Prozent der zu erreichenden Punkte, um zum Schluss die Studienleistung für das jeweilige Modul zu bekommen.

Dieses Semester habe ich 3 Stichtage, an denen ich je eine Serie abgeben muss: Dienstag Numerik, Donnerstag „Datenstrukturen und effiziente Algorithmen I“, Freitag Galoistheorie. Nun, schauen wir doch mal wie meine Uni-Woche so aussieht.

Montag

Der Montag beginnt dieses Sommersemester mit einer Analysis-Vorlesung um 10 Uhr morgens auf dem Weinberg-Campus. Hier wird man gleich gefordert, während man noch versucht, die Gehirnzellen nach dem Wochenende wieder auf Trab zu bringen. In der Analysis begegnet man unter anderem Dingen wie Folgen, Reihen, und Funktionen. Es gehört meiner Meinung nach mit zu den anspruchsvollsten Modulen, aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass es mir nicht besonders liegt. Normalerweise gehört zur Vorlesung noch eine zweistündige Übung, in der die Übungsserien, die wir auch hier wöchentlich bearbeiten und abgeben müssen, verglichen und Vorlesungsstoff vertieft wird. Da ich das Modul "Analysis" jedoch erst im Wintersemester beginnen und anmelden kann, und nur jetzt schon in der Vorlesung sitze, um es in einem Jahr etwas leichter zu haben, gibt es für mich keine Aufgaben und keine Übung.

Anschließend habe ich vier Stunden frei. Diese Zeit nutze ich meistens, um meine Numerik-Serie fertig zu bearbeiten und ordentlich aufzuschreiben. Die Numerik, oder numerische Mathematik, beschäftigt sich vor allem mit Näherungsverfahren und Ähnlichem. Computer spielen dabei eine große Rolle, also haben wir pro Serie auch mindestens eine Programmieraufgabe dabei. Zum Bearbeiten der Serie setze ich mich also meistens in einen der klimatisierten PC-Pools am Von-Seckendorff-Platz, denn hier kann man ungestört arbeiten.

Danach noch zwei Stunden Numerik-Vorlesung über sich ergehen lassen, und dann ist der Tag endlich geschafft!

Dienstag

Wenn 6 Uhr morgens der Wecker klingelt, stelle ich mir immer die Frage: "Muss ich wirklich aufstehen?" Der Grund dafür: Dienstagmorgen findet um 8 Uhr ein Tutorium zum Informatik-Modul "Datenstrukturen und effiziente Algorithmen I" statt. Ein Tutorium ist eine freiwillige Veranstaltung, in der zusätzlich zur Übung, Stoff aus der Vorlesung vertieft wird. Also so etwas wie eine freiwillige Nachhilfe. Dann überlege ich kurz: "Verstehe ich irgendetwas aus der Vorlesung nicht? Habe ich mit der aktuellen Übungsserie Probleme?" Wenn ich diese Fragen verneinen kann, drehe ich mich getrost noch mal um und kann zwei Stunden länger schlafen. Ansonsten rappel ich mich auf und fahre mit einem Kaffee bewaffnet in die Uni.

Nach den zwei Stunden Tutorium habe ich meine Numerik-Übung. Jetzt geben meine Kommilitonen und ich eine Übungsserie ab – nur um eine neue für die kommende Woche zu erhalten. Dann, 12 Uhr mittags, heißt es Feierabend – mehr oder weniger. Für diesen Tag stehen keine Veranstaltungen mehr an, also nutze ich noch ein paar Nachmittagsstunden, um an meinen Übungsserien zu arbeiten, oder anderweitig die Vorlesungen nachzuarbeiten. Wenn ich dann genug habe, entspanne ich mich für den Rest des Tages, und gebe mich ganz der heutigen Unterhaltungselektronik hin – denn ich spiele sehr gern Videospiele.

Mittwoch

Die Mitte der Woche beginnt wie der Montag um 10 Uhr mit einer Analysis-Vorlesung. Nach diesen zwei Stunden braucht mein Körper erst mal einen Koffein-Nachschub. Also geht’s in die Mensa Kaffee holen. Das Essen hier ist ebenfalls zu empfehlen. Da ich allerdings kein Fan von Mensa-Essen bin, bringe ich mir in der Regel selbst ein Lunchpaket von daheim mit. Danach stehen vier Stunden "Datenstrukturen und effiziente Algorithmen I" auf dem Programm. Erst zwei Stunden Vorlesung, dann zwei Stunden Übung. Auch, wenn es mittlerweile erst 16 Uhr ist, bin ich danach oftmals doch ganz schön platt. An Feierabend kann ich aber noch nicht denken, denn die Übungsserien sitzen mir mal wieder im Nacken. Also setze ich mich mit meiner Kommilitonin und Freundin nochmal für ein bis zwei Stunden in die Cafeteria, und wir versuchen ein bisschen an den Aufgaben herum zu tüfteln.

Donnerstag

Auch der Donnerstag beginnt um 10 Uhr (man merkt, das ist eine sehr beliebte Zeit für Veranstaltungen, oder?). Heute habe ich 2 Stunden Proseminar. Insgesamt muss man im Bachelor-Studium mindestens zwei Seminare machen: ein Proseminar, und ein Fachseminar. Um diese als Module abschließen zu können, muss man einen Vortrag (gut) halten und anschließend schriftlich ausarbeiten. Dabei ist das Proseminar so etwas wie ein "Vor-Seminar". Der Vortrag, den man halten muss ist nicht so lang, wie beim Seminar, und die Themen sind meistens auch etwas einfacher. Danach habe ich wieder vier Stunden frei. Allerdings zwinge ich mich auch heute wieder, meine Übungsserien zu machen. Denn ich kenne mich – bin ich nach einem langen Tag abends irgendwann mal zu Hause, bin ich eh viel zu unmotiviert und zu faul, um noch irgendwas für die Uni zu machen. Von 16 bis 18 Uhr habe ich dann eine freiwillige Numerik-Zusatz-Übung. Diese hat uns der Übungsleiter angeboten, um unsere Programmierkenntnisse zu erweitern und uns bei den Programmier-Aufgaben zu helfen. Das ist wirklich eine große Hilfe, denn hat man sich vorher noch nicht so mit der Programmierung beschäftigt, kann man für einen kleinen Algorithmus ziemlich lange brauchen.

Freitag

Am Freitag muss ich wieder früh raus – 8 Uhr geht's zur zweiten Numerik-Vorlesung in der Woche. Auch wenn es der letzte Tag einer anstrengenden Woche ist, so bin ich zu dieser Zeit immer ungewohnt frisch und munter unterwegs. Die viele Energie brauche ich aber, denn es steht ein langer Tag bevor. Nach den zwei Stunden Numerik stehen nämlich vier Stunden Galoistheorie-Vorlesung an. Das Publikum dieser Vorlesung ist weit gefächert: Von Bachelor- und Master- bis hin zu Lehramts-Studenten. Da jeder einen anderen Stundenplan hat, war es schwierig einen gemeinsamen Termin für die zwei Vorlesungen zu finden. So haben wir uns alle auf einen vierstündigen Block geeinigt, da das einfach die beste Möglichkeit war. Doch als wären vier Stunden Galoistheorie noch nicht genug – anschließend haben wir noch zwei Stunden Übung. Ist das dann endlich geschafft, habe ich endlich 16 Uhr Feierabend und Wochenende – außer an drei Samstagen in diesem Semester. An denen habe ich noch 8 Stunden Algebra-Blockseminar.

Wie man vielleicht merkt, ist eine Woche im vierten Semester, mitten im Studium, recht anspruchsvoll und anstrengend. Sicherlich könnte ich in der Woche ein bisschen runterfahren und mir dafür am Wochenende mehr Zeit nehmen. Jedoch bedeutet für mich Wochenende eben Wochenende, das heißt, ich will nur ungern irgendetwas für die Uni an meinen einzigen freien Tagen tun. Also arbeite ich lieber die Woche straff durch, damit meine Wochenenden für Hobbies und Ähnliches frei sind. Trotz des anstrengenden Wochenprogramms weiß ich, dass ich mit dem Mathe-Studium die richtige Wahl getroffen habe. Das Tüfteln an den Übungsserien, dieses selbstständige Arbeiten ist eben genau das, was mir Spaß macht und wodurch das Studium, egal in welchem Semester, interessant bleibt.