Prof. Matthias Ballod – Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur

Seit wann sind Sie in Halle?

Seit Ende 2008.

Wo waren Sie vorher?

Zuvor war ich in an den Universitäten in Köln, Koblenz und Gießen.

Was gefällt Ihnen an Halle?

Halle verfügt über eine großartige historische Bausubstanz, zugleich aber prägen viele junge Menschen das Stadtbild. Halle ist eine sichtbar lebendige Universitätsstadt mit viel Kultur, Kneipen und all dem, was das Studieren außerhalb und innerhalb der Uni attraktiv macht. All das findet man recht kompakt vor, zwar mit verteilten Einrichtungen, aber auch immer stärker zentralisiert, wie man es am Hauptcampus mit seinem Löwengebäude oder dem geisteswissenschaftlichen Zentrum (GSZ) sehen kann. Es ist also das breite Spektrum an Studiermöglichkeiten und die Vielfalt an kulturellen, sportlichen und Szeneangeboten, die mir an dieser Stadt sehr gefallen.

Was ist das Besondere an der MLU?

Einerseits sind es die zahleichen Studienangebote und Fachbereiche, die an der MLU abgedeckt sind und andererseits die hohe innere Konsistenz. Die Uni in Halle ist keine Massenuniversität. Vielmehr besitzt sie – wenn auch in verschiedenen Bereichen unterschiedlich ausgeprägt – einen eher familiären Charakter, egal ob im Verhältnis der Studierenden zu den Lehrenden oder innerhalb der Studentenschaft selbst. Zwar mögen Massenuniversitäten in Großstädten beliebter sein, doch sind sie gleichermaßen anonymer.

Für wen ist das Studium der Fachdidaktik Deutsch interessant?

Allen, die Spaß daran haben, selbst erworbenes Wissen anderen weiterzugeben, sei dieses Studium empfohlen, auch wenn sie keine Lehrer werden wollen. Da die Didaktik eine Querschnittswissenschaft ist, ergeben sich spannende, vielfältige und zukunftsfähige Berufsbilder. Denn: Sie ist einmal bezogen auf die Schule, also die Lehrerausbildung. Zugleich betrifft sie auch andere Studienbereiche, wie Wissenskommunikation, die Berufsorientierte Linguistik im interkulturellen Kontext (BLIK) oder Deutsch als Fremdsprache (DaF) bis hin zu germanistischen Teilbereichen.

Wem würden Sie eher von diesem Studium abraten?

Als Grundvoraussetzung sehe ich das Interesse am Menschen. Natürlich muss ein Studierender der Didaktik auch Interesse für das Fach mitbringen. Wenn jemand nicht auf andere zugehen kann oder möchte und es ihm fernliegt, sein Wissen anderen nahe zu bringen, dann würde ich von einem Studium im Bereich der Deutschdidaktik abraten.

Wo kann man mit diesem Studium Arbeit finden?

In einer Wissensgesellschaft wie der unsrigen ist Didaktik allgegenwärtig: Sie wird bei jeder Wissensvermittlung, selbst bei der Gestaltung von Internetseiten, gebraucht. Aus diesem Grund sind Lehrer meines Erachtens hervorragend ausgebildete Wissensvermittler, die in allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen Wissensvermittlung und Wissenstransfer eine Rolle spielen, interessante Perspektiven finden können. Auf jeden Fall bietet die Didaktik eine pädagogische Ausbildung und vermittelt kommunikative Grundkenntnisse mit der jeweiligen Spezialisierung in den Bereichen DaF, BLIK oder auch Lehramt, Pädagogik sowie Germanistik oder Interkulturalität.

Insgesamt ist dies eine wunderbare Voraussetzung. Denn die Studierenden haben nach der Ausbildung ein grundständiges Studium und ein klares Berufsbild, was sich daraus ergeben kann. Gleichzeitig ist man auf die Perspektive „Schule“ nicht festgelegt, denn es gibt in der freien Wirtschaft und der Gesellschaft unendlich viele Anschlussfähigkeiten. Das Spannende daran ist – und das gilt für alle Geisteswissenschaftler –, dass sich Berufsfelder ergeben, die es heute noch gar nicht gibt. In den letzten 15 Jahren hat sich im Bereich der medialen Wissensvermittlung so viel getan: Facebook, Google, Twitter – die gab es alle noch gar nicht. Die dazu gehörigen Berufsbilder wie Onlinejournalist, Technischer Redakteur, Social-Network-Marketing und Search Engine Optimization etc. gab es ebenfalls noch nicht. Entsprechend offen ist, welche neuen Berufe es beispielsweise in zehn Jahren gibt. Fest steht, Geisteswissenschaftler sind in der glücklichen Lage, sich Berufsfelder selbst schaffen zu können.