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„Musikalisches“

Peer Guckland

Die Nachtigall des Zaren

Theater trifft Musik - Eine inszenierte Lesung

Viele werden sich fragen: was bedeutet dieser Titel?  Das Stück gibt Einblicke in das Leben Filippo Balatris, einen Kastraten, der von 1682 bis 1756 lebte, dabei in ganz Europa sang und am florentinischen Hof, bei Zar Peter I sowie am Hof in München im Dienst stand. Das Stück fußt dabei auf dem gleichnamigen Buch von Christine Wunnicke.

Dabei erhält man in 1,5 Stunden einen groben Überblick über die Biografie Filippo Balatris, u.a. seine höfischen Dienste, oder ein Treffen mit Georg Friedrich Händel, woraus sich aber keine spätere Zusammenarbeit der Beiden ergab. Aber auch über Kastraten im Allgemeinen erfährt man einiges. Im Italien des 17., 18. und 19. Jahrhunderts gab es unzählige von Ihnen, deren Stimmbruch durch Kastration verhindert wurde, nicht selten kamen die Knaben durch diese Eingriffe um. Jedoch besitzen einige der Kastraten noch heute Bekanntheit, Farinelli (eigentlich Carlo Broschi), Senesino (Francesco Bernardi) oder Giovanni Carestini sind dabei nur 3 Beispiele. Komponisten der Zeit, wie Händel, schrieben für ihre außergewöhnlichen Stimmen eigens zugeschnittene Arien, mit denen sie dann durch ganz Europa reisten. Dafür verwendet man den Begriff Kofferarien, ein Element das man ebenfalls in "Die Nachtigall des Zaren" zu sehen bekommt, wenn gleich es etwas versteckt gezeigt wird. Die meisten Kastraten verschwiegenim übrigen ihre Kastration und gaben Unfälle als Gründe an, nicht so Balatri, in seinen Memoiren führte er die Praxis aus.

Neben diesen Bildungsaspekten, die gut umgesetzt sind, kommt die Musik und das Schauspielerische natürlich nicht zu kurz. Robert Joseph Bartl, der zugleich an der Textfassung mitschrieb, gibt den Erzähler und ist der Fixpunkt des gesamten Stückes. Dabei fällt sein bayrischer Dialekt zwar auf, jedoch stört er keineswegs. Die Rolle des Filippo Balatri spielt und singt Leandro Marziotte, dabei überzeugt er sowohl musikalisch als auch schauspielerisch. In Verbindung mit einer Kammerbesetzung des Händelfestspielorchesters, unter der Leitung von Katrin Wittrisch vom Cembalo aus, singt er Arien von Händel (z.B. das berühmte "Ombra mai fu"), Lully, Torri, Vivaldi und ein russisches Volkslied. Diese gibt er sehr facettenreich und mit viel Dynamik wieder. Das gerade die Arien des gebürtigen Hallensers Händel im Repertoire Balatris vorkamen ist denkbar, leider nicht erwiesen, dient aber auf jeden Fall zur Veranschaulichung des Kastratengesangs. Tae-Young Hyun übernimmt eine kleine Nebenrolle und überzeugt dabei mit seiner Knabenstimme. Stefan Oppenländer hat die Bühne nicht überladen, sondern Platz für die Handlung gegeben und nur wenige Requisiten gestellt. Regie führte Veit Güssow, dessen Stil sich weder überspitzt noch zu ernst darstellt, er nutzt den Witz der dem Text gegeben ist.

Insgesamt ist das Stück sehr kurzweilig, am Ende merkt man nicht, dass man 1,5 Stunden ohne Pause im Saal der Oper war. Einen Besuch kann ich nur empfehlen, da alle Mitwirkenden und das Stück restlos überzeugen, ein Umstand der sich auch im langen Applaus des Publikums bemerkbar machten.

 

 

Bilder und das Stück auf der Seite der Oper Halle: http://buehnen-halle.de/die_nachtigall_des_zaren#!/start

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