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Juliane Scheiter

Praxisphasen im Lehramtsstudium

Wie ist das eigentlich mit der Praxis im Lehramtsstudium?

Das ist eine gute Frage, welche mir schon häufig gestellt wurde. Deshalb werde ich dir im Folgenden die Praxisphasen an unserer Uni erläutern.

Das Lehramtsstudium hier in Halle ist bekannt für einen guten Praxisanteil und das ganz ohne Praxissemester, so wie das andere Unis in Deutschland machen. Aber was machen wir?

Kurz und knapp gesagt, gibt es bei uns 2 kleinere und 2 größere Praktika, die alle Lehramtsstudierende durchlaufen. Insgesamt also 4 Stück und für die Förderpädagogen gibt es sogar noch ein 5. Daneben gibt es schulpraktische Übungen, die einen auf die großen Praktika vorbereiten sowie Seminare, in denen Fälle aus dem schulischen Alltag bearbeitet werden, sogenannte Fallseminare. Durch diese werden theoretische Seminare ebenso etwas praxisnäher.

Aber noch einmal genaueres zu den Praktika.

Das Orientierungspraktikum

Das erste Praktikum findet meist nach dem ersten Semester statt und nennt sich Orientierungspraktikum. Jenes ist ein reines Hospitationspraktikum und wie der Name schon verrät, geht es darum sich von der Schülerperspektive zu lösen und als neutraler Beobachter zwischen Lehrperson und SchülerInnen Unterricht und Schule wahrzunehmen und sich zu orientieren. Hospitation meint dabei also aktiv Zuhören und Beobachten und nicht selbst Unterrichten.
Das Praktikum geht über 2 Wochen, wobei du die Qual der Wahl hast, dir selbst eine Schule zu suchen. Da es, wie auch die anderen Praktika, in der vorlesungsfreien Zeit stattfindet, gehen viele Studierende an eine Schule in ihrem Heimatort, wobei ich die ehemalige eigene Schule nicht so sehr empfehlen würde. Unter Umständen wird man unbewusst wieder in die Schülerrolle gedrängt oder projiziert sich selbst dorthin zurück. Man ist quasi durch die eigene Erfahrung mit den dortigen Lehrkräften „befangen“. Aber das ist nur meine Meinung und es ist natürlich völlig okay, wenn man es dennoch macht. :)

Im Anschluss an das Praktikum findet ein Fallseminar dazu statt, in welchem mehrere erlebte Fälle besprochen und bearbeitet werden. Die Grundlage dafür bilden die Hospitationsprotokolle, die man während des Praktikums anfertigt. So guckt man sich zum Beispiel Unterrichtseinstiege genauer an oder analysiert eine Konfliktsituation.

Ich habe das Praktikum in meiner Heimatstadt Berlin gemacht und bin an eine Grundschule gegangen. Ich wollte mir sicher sein, dass ich nicht vielleicht doch eher mit den Kleinen arbeiten möchte und meine Wahl des Gymnasiallehramts die richtige Entscheidung war. Außerdem geht die Grundschule in Berlin bis zur 6. Klassenstufe, sodass ich einen umfassenden Einblick bekommen konnte. Darüber hinaus verfolgt die Schule ein spannendes Inklusionsmodell, welches ich mir gerne anschauen wollte.

Das AuPP

Das zweite Praktikum bildet das AuPP – das Außerunterrichtliche Pädagogische Praktikum. Auch hier lässt der Name schon vermuten, was einen erwartet. Nämlich kein Unterricht. Dieses Praktikum soll in einer außerschulischen pädagogischen Einrichtung stattfinden. Zum Beispiel im Kindergarten, einer Jugendorganisation, einer Ferienfreizeit o.Ä. Man ist nicht mehr nur stiller Beobachter, sondern Handelnder. Die Einrichtung muss/ darf man sich wieder selbst aussuchen und die Mindestdauer des Praktikums beträgt 2 Wochen. In denen geht es vorrangig darum, pädagogische Erfahrungen zu sammeln und sein eigenes Handeln kritisch zu reflektieren. Eine ausführliche Reflexion des Ganzen findet, wie eigentlich bei jedem der 4 Praktika, nochmals im Anschluss statt.

Ich selbst habe mein AuPP in einem Verein gemacht, der Jugendferienfahrten organisiert und war 10 Tage lang mit Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren im Ausland unterwegs. Dadurch, dass man auf solch einer Fahrt fast 20h pro Tag arbeitet, werden die Stunden von der Uni anders berechnet, sodass man nicht zwingend auf genau 2 Wochen kommen muss. Dadurch, dass ich Gymnasiallehramt studiere, war es mir wichtig herauszufinden, wie ich mit Jugendlichen so klarkomme und wie diese mich wahrnehmen. Schließlich muss ich im späteren Schulalltag ja gut mit ihnen auskommen. Deshalb kam es für mich beispielsweise nicht in Frage, in den Kindergarten zu gehen.

Die schulpraktischen Übungen

Bevor es nun in die „großen“ Praktika geht, stehen die schulpraktischen Übungen an. Diese müssen pro Unterrichtsfach absolviert werden. In meinem Fall also in Sport und in Englisch. Die meisten Studierenden teilen sich die Übungen deshalb auf zwei Semester auf und machen ein Fach pro Semester. So habe ich das auch gemacht, da der Aufwand relativ groß ist.
Man wird in kleine Gruppen à 3-5 Studierende aufgeteilt und einer Schule und Klasse zugewiesen. Einmal die Woche geht man dann zusammen mit der Gruppe sowie dem Dozierenden in die Schule. Zunächst hospitiert man ein- bis zweimal, um die Klasse kennenzulernen. Im Anschluss daran, darf jeder Student mindestens 2 Stunden selbst unterrichten und wird von den Kommilitonen sowie dem Dozierenden dabei beobachtet. In Englisch werden die Stunden sogar gefilmt und später dann im Vieraugengespräch mit dem Dozierenden angeschaut und ausgewertet. Was anfangs ziemlich bedrohlich klingt, war im Nachhinein sehr hilfreich und auch gar nicht so schlimm.
Durch die schulpraktischen Übungen, kurz SPÜ, lernt man Stunden vorzubereiten und zu planen, sowie sein eigenes Handeln stets zu reflektieren.

Das erste "große" Praktikum (SPI)

Sobald die SPÜ in beiden Fächern erfolgreich absolviert wurden, geht’s in die „großen“ Praktika.

Zunächst folgt das Schulpraktikum I (kurz SPI). Während diesem erwarten einen 10 Hospitationsstunden sowie 10 eigene Unterrichtsstunden pro Fach innerhalb von 4 Wochen (wahlweise auch länger). Innerhalb Sachsen-Anhalts wird ein sogenanntes Matching-Verfahren durchgeführt. Man trägt sich in eine Datenbank ein, wo man seine Fächerkombi angibt und 3 favorisierte Landkreise bzw. Städte auswählt. Dann wird einem eine passende Schule zugewiesen. Möchte man sich lieber selbst eine Schule suchen, so ist das in jedem anderen Bundesland ebenso möglich.

Ich habe mich für das Matching-Verfahren entschieden und wurde nach Bitterfeld an das Europagymnasium vermittelt. Ein bisschen mehr dazu findest du in einem älteren Blogeintrag von mir.

Zusätzlich zum Praktikum finden Vorbereitungsseminare sowie Reflexionsseminare oder -sitzungen statt. Außerdem muss pro Fach ein Praktikumsbericht geschrieben werden.

Auf in die letzte Runde (SPII)

Wenn auch das geschafft ist, dann geht’s für die meisten in das letzte Praktikum, das SPII. Das ist eigentlich genauso wie das SPI, nur dass sich die Stundenzahl von 10 auf 15 pro Fach erhöht und man schon ein paar mehr Unterrichtserfahrungen mitbringt. Während im SPI vorwiegend in den unteren Klassenstufen unterrichtet wird, also 5-9, so geht man im SPII vermehrt in die höheren Klassen ab Stufe 10 und aufwärts.

Und schwuppdiwupp ist das Studium dann schon zu Ende und das allergrößte Praktikum, nämlich das Referendariat, klopft an die Tür, bei dem einem die bereits gemachten Praxiserfahrungen sicher sehr helfen werden - vor allem was Unterrichtsentwürfe und die Unterrichtsplanung angeht.

 

Praktikum im Ausland? Lies mehr dazu in meinem neuen Blog!

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