Warum studieren?

Studieren in Halle

Leben in Halle

Alle StudienbotschafterInnen

Blogbeiträge meiner Vorgänger

The MASTERing of Science - Harvard meets Halle

Of mice and brains

Im Hintergrund das Labor-Gebäude © Falk| MLU

Und so habe ich es nach knapp 3 Jahren wieder geschafft – ich bin wieder in den USA. Dieses Mal fuer meine Masterarbeit. Dank meines vorherigen Chefs im Forschungsgruppenpraktikum bin ich nun im Labor von Cynthia Lemere, welche eine kleine Arbeitsgruppe des Brigham&Womens Hospital und der Harvard Medical School fuehrt. Unser Thema hier: Alzheimer und moegliche Theraphieansaetze.

Und mein Thema selber beschaeftigt sich selber mit einer Immuntherapie mittels Antikoerper gegen schaedliche Proteinablagerungen, wobei ich mich nicht nur mit der Wirkung des Antikoerpers auf die sogenannten Plaques widme, sondern auch den beteiligten Immunzellen.

Dafuer galt es aber zunaechst fuer mich die neuen Methoden kennen zu lernen. Denn ich hier geht es nicht mehr um Versuche in Bakterien oder Zellen, sondern um die Ergebnisse in Maeuse...transgene Maeuse, welche Alzheimers bekommen. Und da sich Alzheimer nunmal im Gehirn abspielt, gilt es natuerlich auch diese zu untersuchen. Und so musste ich lernen mit den Tieren den strengen Richtlinien nach umzugehen, ihnen die Therapie zu iniziieren und am Ende der vollen Behandlungsdauer die Tiere auch moeglichst (und wie der Umgang auch streng reguliert) human zu exikutieren...besonders das letzte war keine schoene Sache, woran man sich ersteinmal gewoehnen musste. Auch die anschliessende Entnahme des Gehirns und Blut direkt aus dem Herzen verlangte neben einer ruhigen Hand auch einen guten Magen. Tipp: Wer kein Blut sehen kann, sollte defintiv keine Tierversuche machen!

Nachdem die Gehirne isoliert sind, muessen diese natuerlich auch noch in Hauch-duenne Scheiben geschnitten werden, um diese anschliessend fuer Immunohistochemistry-Analysen zu nutzen. Und so verbrachte ich eine Meeenge Zeit etliche Gehirne auf Objekttraeger zu bringen (mit anderen Projekten 100+)...und das alles waehrend die Haende bei –20 C arbeiteten. Zum Glueck sind mir alle meine Finger geblieben und ich habe mich auch so an der sehr scharfen Klinge des sogenannten Cryostats nichts geschnitten (war ein persoenlich wichtiges Ziel – keine Beurteilung bitte!).

Der Hippocampus einer Maus - die braunen Flecken sind Plaques

© Falk| MLU

Und nun kann ich mich so langsam an die Analyse des gesamten Projektes machen. Dafuer nutze ich verschiedene Antikoerper, die unter anderem die Plaques, Immunzellen usw., erkennen und so eine "Faerbung" des Gewebes zulassen (siehe Bild). Diese darf ich dann (gluecklicherweise) mit Hilfe einer speziellen quantifizieren, wobei ich dafuer von jeder Maus mehrere Schnitte betrachten muss. Das ganze summiert sich dann zu recht viel Arbeit, sowohl an der Laborbank, als auch am Mikroskop und PC. Am Ende steht natuerlich auch eine statistische Analyse der Ergebnisse an – denn in der Wissenschaft geht es immer darum signifikante Unterschiede zu sehen. Dank dem Fortschritt der Technik, ist dies zumindest schneller erledigt. Aber ich muss zum Glueck nicht nur Gehirnschnitte betrachten, sondern darf auch Techniken wie qPCR und ELISA fuer andere Teile des Projektes einsetzen.

Aber da ich hier niemanden zu doll mit Einzelheiten langweile moechte und ich mir sicher bin, dass ihr eher darauf gespannt seid, wie es so ist in einen Harvard-Labor hier mein Fazit: Wenn man an Harvard denkt, hat man wahrscheinlich eher alles hoch-modern mit dem neusten technischen Schnick-Schnack, Biohazard-Anzuegen und sonstigen Hollywood-Krams im Kopf. Aber um ehrlich zu sein, sieht es hier eher wie in normalen Laboren aus. Ein paar wirklich neues und cooles Equipment, aber auch die Jahr(zehnte) alten Geraete werden noch genutzt – denn wie ueberall in der Wissenschaft ist die Foerderung fuer Projekte hart umkaempft und dementsprechend das Geld auch. Daher wird hier auch eifrig geackert und bis jetzt habe ich zu egal welcher Uhrzeit ich im Labor war oder daran vorbei lief immer irgendwo Licht gesehen. Sciene never sleeps!

Das kann aber auch an Boston selbst liegen, sich hier das Leben scheinbar sehr auf Arbeit konzentriert. Aber zum Glueck hat die Stadt neben vielen historischen Sehenswuerdigkeiten, Bars, Theatern, Festivals usw. usw. fuer jeden etwas zu bieten. Wobei fuer alle Nachtschwaermer und DIscogaenger anzumerken ist, dass hier alle Bars und Clubs bereits um 2 Uhr morgens schliessen muessen....neben der kein Alkohol-auf-der-Strasse eine wirklich dumme Gesetzgebung....aber naja. Dafuer sorgen die unzaehligen Studenten von den etlichen Universitaeten ( im Ernst, neben Harvard und dem MIT gibt es hier 10+ Unis) fuer genuegend After-Parties – wo dann auch typischerweise gerne mal die Polizei rumschaut.

Kann ich Harvard also als Masterarbeits-Platz empfehlen? Nei...achwas, natuerlich! Alleine die kostenlose Pizza und Bier (ja , weniger gutes Bier aber dafuer super Pizza) jeden 2ten freitag ist es wert! Aber auch die unzaehligen netten und auch klugen und interessierten Leute die man hier kennen lernt sind es wert. So gibt es hier auch taeglich irgendwelche Seminare und  Vortraege von "beruehmten Wissenschaftlern, wodurch man sich in alle moeglichen Richtungen erkunden kann. Nur muss man sich im klaren sein, dass das Leben hier recht teuer ist und man definitiv Foerderung haben sollte (z.B. PROMOS, was ich erhalte).

So, genug Arbeitszeit geopfert, zuruek ans Werk – es ist Freitag und daher PIZZA-Zeit!

Zur Übersicht

Unsere Service-Angebote

Für StudienanfängerInnen

Für Eltern und LehrerInnen