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Ein Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“

Bernhard Sekles „Schahrazade“ in der Oper Halle

Zur Geschichte Deutschlands gehört es leider dazu, das versucht wurde zwischen 1933 und 1945 jüdische Komponisten gänzlich aus den Geschichtsbüchern zu streichen. Einer von ihnen ist Bernhard Sekles. Dessen Oper Schahrazade, uraufgeführt 1917 in Frankfurt, erlebt nun eine Renaissance in der Oper Halle, vollkommen zu Recht angesichts der Musik die geboten wird. Sekles hat es wunderbar verstanden die Klangwelten auszuschöpfen, mit Hilfe einer reichhaltigen Instrumentierung. Die Musik versetzt den Zuhörer während der Vorstellung perfekt in den Orient.

Die Handlung könnte man auch mit narzistisch überschreiben: Nachdem der Kalif Schahryar (Gerd Vogel) von seiner Gemahlin während eines Jagdausfluges betrogen wird, beschließt er sie zu köpfen und ab sofort keine feste Frau mehr zu haben. Stattdessen lässt er sich nun von seinem Grosswesir Said-Fares (Ki-Hyun Park) jeden Abend eine neue Jungfrau bringen, die im Morgengrauen dann geköpft wird. Das läuft  über drei Jahre so, 1000 Frauen müssen in dieser Zeit sterben. Erst ab diesem Punkt setzt die eigentliche Handlung der Oper ein. Wiederum wird eine Jungfrau zu ihm gebracht. Das Problem, der Palastkommandant Omar (Ralph Ertel) ist bereits in Saad (Theresa Dittmar) verliebt, da er sie schon einmal traf und vor einem Tiger rettete. Doch alles Flehen und Zagen hilft nichts, der Kalif schreitet auf seinem Vernichtungsweg fort. Jedoch lässt Omar nicht den Henker seine Geliebte töten, sondern er tut dies und bringt sich anschließend auch um. Das schockt seinen Vater den Grosswesir, denn er hält auch mit Hilfe seines Sohnes seine Töchter Schahrazade (Anke Berndt) und Dunyazade (Ines Lex) vor dem frauenmordenden Kalif versteckt. Darum will er die ältere Schahrazade mit seinem Geschäftsfreund Musair (Tomas Möwes) vermählen, jedoch begeht Said-Fares den Fehler ihr von seinen Sünden zu erzählen. Daraufhin will sie lieber den Kalifen von seinem Laster befreien, als eine halberzwungene Heirat einzugehen...

Die Besetzung kann fast durchweg überzeugen, einzig Tomas Möwes fällt ein wenig vom Rest ab, er war kaum zu hören und dadurch ebenso wenig zu verstehen. Für das Problem des Textverständnises schafft das Opernhaus Abhilfe  in dem die Aufführung übertitelt wird. Allerdings ist es müßig darauf zu schauen, wenn man im Parkett sitzt.               Nils Giesecke (Obereunuch) vermag zu überzeugen, nur wirkt  sein Kostüm etwas albern da sehr stark an den kleinen Muck erinnert. Olaf Schöder (Schatzmeister), Ulrich Burdack (Oberstallmeister), Sandra Maxheimer und Mária Petrasovská (zwei der drei Banjospielerinnen) sollen nicht unerwähnt bleiben, sie nehmen allerdings nur Nebenrollen in der Oper ein.

Die Bühne wurde gemäß der Handlung in den Orient versetzt und ist einem Palast nachempfunden. Dadurch wirkt die Kulisse sehr groß, was für das Stück ein Vorteil ist. Die drehbare Bühne des Opernhauses wird in der Inszenierung ausgespielt, sodass kein Kulissenwechsel und langwierige Umbauten notwendig sind. Die Kostüme entsprechen der Handlunsumgebung aus tausendundeiner Nacht. Die Inszenierung von Axel Köhler weicht also nicht von der Grundidee Bernhard Sekles' ab, sie passt sich dieser an.

Alles in allem ist dem Opernhaus mit der Wiederentdeckung von Schahrazade ein hervorragender Schachzug gelungen. Man erlebt einen sehr kurzweiligen Abend mit spannender, interessanter und mitreißender Musik. Diese Aufführung bereichert das Musikleben, denn gegen das Vergessen bzw. die Verdrängung von dieser Musik sollte immer angekämpft werden. Auch ist die Oper im Zuge dessen ein Argument gegen drohende Kürzungen seitens des Bundeslandes.

Informationen auf der Seite des Opernhauses: http://buehnen-halle.de/produktionen/schahrazade

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