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„Gesagt, getan, für's Leben gelernt“

Annemarie Reichenbach

Im Gespräch mit Charlotte

Charlotte ist nicht nur meine Kollegin (ihren Blog findet ihr hier), sondern auch eine Person, die etwas völlig anderes studiert als ich - Theologie; aus einem völlig anderen Teil von Deutschland kommt - Südwest; und während ich mich in Selbstisolation befinde, am anderen Ende der Welt weilt: Indien. Und trotzdem glaube ich, wir habe viele Gemeinsamkeiten. Es fiel mir darum nicht schwer, ihr einfach mal die Fragen zu stellen, die mir spontan im Kopf auftauchten. Wer meinen Blog liest,oder mich kennt, wird schnell erkennen: Alles was ich wissen will, hat entweder mit meinem Studium und meiner Leidenschaft, mit mir persönlich oder meinen aktuell drängenden Fragen zu tun. Lest selbst...:)  

1. War es schwer, dein Studium/Semester so zu organisieren, dass du eine längere Reise machen kannst? Wie ist dir das gelungen - machst du auch in Indien etwas für die Uni?

An sich war es mit ein bisschen Planung kein Problem, mein Studium so zu organisieren, dass ich mal einen Monat lang verreisen konnte. Allerdings ging das nur unter der Voraussetzung, dass ich die Prüfungen am Ende der VL-Zeit bestehe, sonst wäre die freie Zeit mit Lernen voll gewesen. Das war dann aber auch eine Motivation, im Januar wirklich zu lernen und hat dann auch gut geklappt :) Zu Beginn des neuen Semesters muss ich allerdings einen Essay einreichen, für den habe ich noch nichts gelesen bzw. geschrieben. Wenn alles gut geht, habe ich aber noch 3 Wochen Zeit, ihn zu schreiben und abzugeben, wenn ich zurück bin. Daher habe ich auch keine Bücher dafür mitgenommen.

2. Welche Farbe ist dir in Indien am bewusstesten aufgefallen - beschreibt für dich die Kultur/hat vielleicht eine andere Wirkung und Bedeutung als in Deutschland?

Indien ist allgemein ein Land voller Farben! Gestern zum Beispiel haben wir Holi gefeiert, das Fest, das den Sommer einleitet und gleichzeitig für den Sieg des Guten über das Böse steht. Dabei malt man sich gegenseitig mit Farbpulver an, bespritzt sich mit Wasser und tanzt gemeinsam.

Die allerdings bezeichnendste Farbe, die mir hier aufgefallen ist, ist Safran. Das leuchtende Orange kommt nicht nur in der indischen Flagge vor, sie ist auch Nationalfarbe und Farbe des Hinduismus. So finden sich dreieckige, safranfarbene Fahnen vor allem an Tempeln und manchmal auch an Hausdächern.

3. Beschäftigst du dich im Studium auch mit Spiritualität? Wurdest du in dem Thema in Indien inspiriert?

Durch mein Theologiestudium ist Spiritualität irgendwie immer auch Thema bei dem, was ich mache und lerne. Biblische Texte, Kirchengeschichte, Dogmatik - all das hat immer etwas mit spiritueller Erfahrung (oder auch Nicht-Erfahrung) anderer Menschen zu tun und derer Reflexion darüber. Das inspiriert aber auch mein alltägliches Leben und das an der Fakultät: Ich gehe zum Beispiel gerne in Gottesdienste und gemeinschaftliche Gebetszeiten. Gleichzeitig gibt es zwei Mal pro Monat Universitätsgottesdienste, die von Profs unserer Fakultät gehalten werden. Studium und Spiritualität sind für mich also tatsächlich Dinge, die sich gegenseitig tragen können.

In Indien besuchen wir oft Tempel. Auch wenn "der Hinduismus" eine andere Theologie prägt und lebt als "das Christentum" (man beachte die Anführungszeichen - Verallgemeinerungen sind immer problematisch, gerade bei Religionen und Religiösem) - das spirituelle Leben ist hier vielmehr Teil des Alltags, als ich es in Deutschland erlebe. Es wird geschätzt und ist positiv konnotiert.

Ein Beispiel wäre zum Beispiel, dass Kühe ganz selbstverständlich aufgrund ihrer Heiligkeit am öffentlichen Leben teilhaben. Man sieht sie auf der Straße, wenn sich Autos und Roller um sie herum schlängeln, man sieht sie in Wohnsiedlungen. Fast von alleine werden sie durch Essensspenden der Anwohner*innen und Freiwilligen versorgt. Für mich ist das ein schönes, wenn auch etwas fremdartiges Erlebnis, auch wenn ich mich schnell daran gewöhnt habe.

4. Hast du etwas für dich gänzlich neues gegessen - wie war die Erfahrung? War es eine Überwindung?

Tatsächlich habe ich hier das erste Mal Jackfruit gegessen und Zuckerrohrsaft getrunken! Jackfruit wird so zubereitet, dass sie fast wie Hühnchen schmeckt - daher nennt man sie auch "Vegan Chicken"! Das Probieren war keine Überwindung, ich war sogar sehr gespannt darauf, sie zu probieren und es war echt lecker. Zuckerrohrsaft ist, wie der Name schon sagt, der Saft des Zuckerrohrs, der, wenn gekocht, zu Industriezucker verarbeitet werden kann. Pur und frisch gepresst ist er voller Mineralstoffe und schmeckt, dafür dass er so gesund ist, fast schon zu süß. :)

5. Wenn du woanders bist, egal ob zuhause oder auf Reisen, was vermisst du an Halle am meisten?

In Halle bin ich sehr gern. Ich mag die Stadt nicht nur aufgrund ihrer angenehmen Größe und weil man alles relativ schnell erreichen kann, sondern auch und vor allem wegen der Menschen, die ich dort kennenlernen durfte. Ich wohne in einem Wohnheim, in dem jede*r irgendwie jede*n kennt - diese Gemeinschaft fehlt mir oft, wenn ich andernorts bin und ich freue mich immer, wieder dort anzukommen.

Danke für das offene Interview liebe Charlotte :)
Im nächsten Post werdet ihr dann mich noch etwas besser kennenlernen, obwohl ich ja hier schon ne Menge teile ;) Und was ihr auch noch nicht wisst: Ich habe Charlotte noch eine weitere Frage gestellt, die es nicht mit in diesen Artikel geschafft hat. Welche es wohl war? ;)

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