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„MLU, Halle und die Welt“

Anna Katharina Pieper

Die Themen hinter den Modultiteln III - Über die Welternährungskrise und den Markt

Cash Crops sollten die vermeintliche Lösung sein. Das Prinzip dahinter: Die Entwicklungsländer sollten sich auf den großflächigen Anbau eines Produktes konzentrieren, nachdem weltweit eine Nachfrage bestehe. Beispiele sind der Tabakanbau in Malawi, Baumwolle in Burkina Faso, Orangen in Brasilien und Blumen und Gemüse in Kenia. Der Verkauf sollte schnelles Geld bringen, welches für den Einkauf fehlender Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt bestimmt war. Hohe Einnahmen sollten den betroffenen Ländern auch bei steigenden Weltmarktpreisen eine ausreichende Kaufkraft garantieren. Leider wurde dieses Konzept nicht durch- und noch weniger zu Ende gedacht. Die Folge: Der plötzliche Anstieg des Angebots drückte die Preise und ließ die erhofften Einnahmen empfindlich niedriger ausfallen. Doch noch gravierender ist die damit verbundene langfristige Vernichtung der heimischen landwirtschaftlichen Grundnahrungsmittelproduktion, die durch die neuen Monokulturen ersetzt wurde. Dies setzt die betroffenen Länder noch stärker den Launen des Marktes aus. Die Gewinner: die Länder, die sich günstig mit Tabak, Blumen und Orangen eindecken konnten.

Ein zentraler Faktor, der wesentlich die Preisentwicklung mitbestimmt, ist das Phänomen der Börsenspekulation mit Lebensmitteln bzw. zukünftigen Ernteerträgen. Eine Form dieser Spekulation sind die so genannten Terminverkäufe, die bei angemessener Nutzung eigentlich stabilisierend wirken. Das Prinzip solcher Terminverkäufe oder "Futures" ist folgendes: Erzeuger und Käufer einigen sich vorab auf einen festen Preis und Liefertermin. Damit dies für beide Parteien mit weniger Bürokratie verbunden ist, gibt es Zwischenhändler sog. "Hedger". Diese bieten dem Bauern an, dessen Verluste bei einem unerwarteten Preisverfall zu übernehmen bzw. sollte der Preis unverhofft steigen, würden sie das Mehr an Gewinn behalten. Das gleiche bietet der Hedger dem Käufer an. Durch dieses Verfahren kommt es tendenziell zu einer leichten Preissteigerung am Markt, garantiert beiden Parteien allerdings wertvolle Planungssicherheit. Das wirkliche Problem beginnt bei den Spekulanten, die nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes auf Lebensmittel umgestiegen sind. Diese sind häufig wenig vertraut mit den Charakteristiken des Lebensmittelmarktes und agieren rein profitorientiert, was schnell zu einer Entfremdung von den realwirtschaftlichen Begebenheiten führt. So wurden 2007 30-mal so viele Futures verkauft, wie real Weizen produziert wurde.

Hinzu kommen die sog. Leerverkäufe. Dabei leiht sich ein Spekulant eine Aktie eines anderen Aktionärs, um diese zu verkaufen. Dabei vertraut der Spekulant darauf, dass der Preis dieser Aktie sinkt und er sie günstig zurückkaufen kann, um sie dann dem Eigentümer zurückzugeben. Den Gewinn, also die Differenz zwischen Verkaufs- und Wiederkaufswert behält der Spekulant. Die Masse der Spekulanten macht so aus kleinen Preisschwankungen Markttendenzen, die in große Preissprünge resultieren und im Zuge der Finanzialisierung der Lebensmittel, diese immer mehr der Wechselhaftigkeit des Marktes unterwerfen. Die Leidtragenden sind wie immer die, die sowieso schon am wenigsten haben und vollkommen unbeteiligt sind an solchen Transaktionen.  

 

Quellen:

Spiegel Online, Wirtschaft, Verschwendung: Ein Drittel aller Lebensmittel landet im Müll. In: www.spiegel.de/wirtschaft/verschwendung-ein-drittel-aller-lebensmittel-landet-im-muell-a-740969.html 03.01.2018

Stuart, Tristram. The global food waste scandal. (September 2012). In: www.ted.com/talks/tristram_stuart_the_global_food_waste_scandal.html 03.01.2018

Tristram Stuart. Food Waste Facts. In: www.tristramstuart.co.uk/FoodWasteFacts.html 03.01.2018

Thurn, Valentin. Frisch auf den Müll. In: www.phoenix.de/frisch-in-den-muell/530854.htm 27.10.2013

Proplanta, das Infozentrum für die Landwirtschaft. Die Welternährungskrise und ihre Ursachen. In: www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Verbraucher/Die-Welternaehrungskrise-und-ihre-Ursachen_article1212592777.html 03.01.2018

WWF. Themen und Projekte. Landwirtschaft. Ernährung und Konsum. In: www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/das-grosse-wegschmeissen/. 03.01.2018

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