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"Ein Studium ist mehr als eine Berufsausbildung." Marco Tullner, Alumnus der Politikwissenschaften und Geschichte

Lebenslauf

1987
Erweiterte Oberschule "Otto von Guericke", Magdeburg, Abitur

1996
Studium der Geschichte und Politikwissenschaft, Abschluss: Magister

2001–2002
Referent des Landtagspräsidenten a. D., Dr. Klaus Keitel

2002–2011
Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt, CDU

Seit 20. April 2011
Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt

 

Politischer Werdegang:

1991   
Eintritt in die CDU

seit 1999
Stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Halle

2009–2011
Finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

Inhalt

Halle war Liebe auf den zweiten Blick

Marco Tullner war schon als Schüler politisch interessiert. Aber an eine solche berufliche Laufbahn dachte er nicht, als er sein Studium der Politikwissenschaften in Halle begann. „Eigentlich ist ein solches Studium keine Ausbildung für Berufspolitiker“, sagt er. Inzwischen ist er Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen Anhalt.

Aufgewachsen ist Marco Tullner in Magdeburg. Nach seinem Abitur wollte er Biologie studieren. Das war in seiner Heimatstadt nicht möglich, und so kam er 1989 nach Halle. Doch nach einem Jahr stellte er fest, dass er sich das Biologiestudium anders vorgestellt hatte. „Außerdem kam damals die Wende. Alle waren in Aufbruchstimmung und wollten etwas Neues ausprobieren“, erzählt er. „So wechselte ich zum Studium der Geschichte und Politikwissenschaften.“

Ferienzeit – Praktikumszeit

Während des Studiums hat er gelernt, wie die Politik im nachwendigen Deutschland strukturiert ist. Durch sein Studium der Geschichte konnte er die Prozesse auch in einen historischen Zusammenhang bringen. „Dieses Wissen eignet sich sehr gut für politische Diskussionen“, erklärt er. Und damit er nicht nur theoretisch weiß, wie politische Strukturen funktionieren, hat er während des Studiums viele Praktika absolviert. „Ich war in den Semesterferien immer irgendwo“, erzählt er. „Beispielweise bei einer Zeitung oder in der Staatskanzlei. Dort habe ich viele Leute kennengelernt, zu denen ich auch heute noch Kontakt habe.“ An sein Praktikum bei der Magdeburger Volksstimmer im Ressort Landespolitik erinnert er sich noch gut: „Es war für mich sehr interessant zu sehen, wie die Politik in den Medien dargestellt wird.“

Halle hat sich sehr verändert

Während seiner Studentenzeit ist Marco Tullner lange Zeit fast jedes Wochenende nach Hause gefahren. Das lag auch daran, dass ihm Halle anfangs nicht sonderlich gut gefallen hat. „Halle hatte eine marode Altstadt, und die Saale war verdreckt“, erinnert er sich. Außerdem lebte er in einem Wohnheim in Halle-Neustadt, einem Neubauviertel der Stadt. „Das war am Anfang schrecklich für mich, da ich in Magdeburg in der Altstadt gewohnt habe. Wobei es in Magdeburg natürlich auch Neubauwohnungen gab.“ Dennoch hat er sich in Halle schnell wohlgefühlt. „Durch die Wendezeit gab es viele Demos, an denen wir uns beteiligt haben. Und wir sind natürlich durch die Kneipen gezogen. Die Uni war eine ganz eigene Welt.“ Marco Tullner hat die Stadt für sich entdeckt und wohnt auch heute noch hier. „Halle hat sich seit meinem Studium sehr zum Positiven verändert“, sagt er.

Auf in die Politik

In die CDU ist Marco Tullner 1991 eingetreten, also schon während seines Studiums. Doch zunächst war er nicht weiter aktiv. Erst während des Wahlkampfs 1998 lernte er neue Leute kennen, wodurch er sich dann zunehmend stärker für seine Partei engagierte. So wurde Marco Tullner beispielsweise Stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Halle. Nach dem Studium war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Uni Halle. Danach wollte er eigentlich promovieren. Doch dann kam alles anders. Durch sein politisches Engagement wurde er Referent beim Landtagspräsidenten und später Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. Eine Promotion kam dann für ihn nicht mehr in Frage: „Wenn man seinen politischen Job richtig machen will, bleibt leider keine Zeit zum Promovieren.“

Die Studienzeit richtig nutzen

Rückblickend auf seine eigene Ausbildung rät Marco Tullner, „die Breite des akademischen Lebens in den Blick zu nehmen, auch wenn es durch den Bolognaprozess schwierig geworden ist.“ Dazu gehöre es eben auch, Veranstaltungen anderer Fächern zu besuchen: „Das Studium ist keine längere Berufsausbildung, wie es heute leider immer mehr verstanden wird. Ein Studium ist viel mehr.“

Natürlich ist ihm bewusst, dass es durch die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse mehr Leistungsdruck gibt und dass ein Studium zu seiner Zeit ganz anders war. Aber man sollte es trotzdem nicht unversucht lassen. Und er empfiehlt, nicht in der Heimatstadt zu studieren: „Nach der Schulzeit ist es für die eigene Reife gut, in eine andere Stadt zu gehen. Dadurch erweitert man seine Perspektive.“ Außerdem müsse man auch nicht zu Beginn des Studiums wissen, was man später machen möchte, denn das ergibt sich teilweise auch erst während der Zeit an der Uni. Diese Erfahrung hat er schließlich selbst gemacht.