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Ich habe nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theater in Stendal gemacht. Mitteldeutschland hat mir gut gefallen, und auch Halle war mir gleich sympathisch. Deshalb habe ich hier begonnen zu studieren. So schöne Häuser wie in dieser Gegend gibt es in meiner Heimatstadt Emden nicht. Dort gibt es nur Nachkriegsbauten, weil Emden im Zweiten Weltkrieg total zerstört wurde. In Halle dagegen findet man viele wundervolle alte Häuser, in denen man gut wohnen kann.
Halle hat kulturell sehr viel zu bieten
Halle ist voller Leben. Man sieht auf den ersten Blick, dass hier kulturell sehr viel möglich ist. Es gibt viele kleine Geschäfte, Clubs und Cafés, die nicht so durchschnittlich sind. Ständig versuchen alle möglichen Leute, Orte neu zu beleben. Das verschafft Halle ein sehr eigenes, sehr ausgeprägtes Gesicht – von wegen „graue Diva an der Saale“. Überall in der Stadt gibt es kleine und große Parks und Grünflächen, und direkt an der Saale gibt es viele Wiesen. Ich bin häufig dort – zum Schachspielen, Weintrinken oder einfach nur so. Abends gehe ich oft ins Czech, das ist eine schöne gemütliche Kneipe in der Nähe vom Uniplatz, in der ich immer jemanden treffe. Überrascht hat mich, dass es in Halle so viele Programmkinos gibt, in denen häufig Filme im Original mit Untertitel laufen. Da gehe ich gern hin. Auch die Theaterszene hat sehr viel zu bieten.
Das Studium ist ein Erlebnis
An meinem Studium reizt mich natürlich der Umgang mit Texten. Ich will ihre Bedeutung verstehen, das Verdeckte entdecken und das Schöne darin sehen. Die Auseinandersetzung mit Literatur ist für mich eine ästhetische Lust mit unendlich vielen Facetten. Dabei geht es mir um eine Bildung, deren Nutzen ich gar nicht immer so klar formulieren kann. Ich finde, das muss man auch nicht unbedingt. Man kriegt halt keine Tatsachen vermittelt, sondern Herangehensweisen und Denkarten. Wer immer gleich fragt, was man mit einem Studium machen kann, bringt sich auch um wichtige Aspekte dieses Bildungserlebnisses. Einen Lieblingsautor habe ich eigentlich gar nicht, dazu gibt es eine zu große Vielfalt in Form, Ton und Aussage. Marlen Haushofer kann ich immer wieder lesen und auch Klassiker wie Fontane oder Goethe sind niemals ausgereizt. Aber ich beschäftige mich natürlich auch mit Autoren, die ich auf den ersten Blick nicht unbedingt mag – über die ich etwas herausfinden möchte. Oft entsteht das Interesse dann von ganz alleine.
Die Atmosphäre hier ist familiär
Die Uni passt zur Stadt. Sie ist nicht so riesig und unübersichtlich. Man verschwindet hier nicht in der Masse und findet auch zu den Dozenten sehr schnell persönlichen Kontakt. Klar gibt es auch hier hin und wieder überfüllte Veranstaltungen. Aber es gibt eben auch ganz viele kleine Seminare mit 8 oder 12 Leuten, in denen man wirklich viel lernen kann. Ich nehme zum Beispiel an einem Seminar teil, in dem wir uns mit Literaturkritik auseinandersetzen. Die Dozentin nutzt ihre Kontakte zum Mitteldeutschen Rundfunk, damit wir dort unsere Kritiken senden können.