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12 oder 13 Jahre Schule liegen hinter dir. Du hast dich an die Klassenstrukturen und Lehrer gewöhnt, an Stundenpläne, Hausaufgaben, Ferien und Prüfungen. Was kommt nun beim Studium auf dich zu? Geht es so weiter oder wird alles völlig anders? Wir haben ein paar Punkte zusammengetragen, die dir einen ersten Einblick geben sollen, was dich an der Uni erwartet.
Klassen und Lehrer
Als erstes wirst du feststellen, dass es im Gegensatz zur Schule keine festen Klassenverbände gibt. Selbstverständlich wirst du die Gesichter derer, die sich gemeinsam mit dir an der Uni einschreiben, in den kommenden Semestern häufig sehen. Aber das kann zwischen den Studiengängen und in Abhängigkeit vom gewählten Stundenplan stark variieren.
Neu ist für dich auch, dass es keine Klassenlehrer gibt – was aber nicht heißt, dass die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter für dich keine Ansprechpartner sind. Einige Fakultäten haben auch ein Mentorensystem etabliert, darüber hinaus haben alle Studienfächer spezielle Beraterinnen und Berater für die Studierenden: die Studienfachberater. Die Kontaktdaten findest du auf den jeweiligen Seiten dieser Plattform.
Stundenplan
Einen verbindlichen Stundenplan gibt es an der Uni nicht. Du kannst die Vorlesungen, Seminare und Übungen, die du besuchen willst, für jedes Semester neu zusammenstellen. Mit Einführung der Bachelor-Studiengänge und dem damit verbundenen Punktesystem ist die Freiheit jedoch ziemlich eingeschränkt, wenn du innerhalb von sechs Semestern deinen Abschluss schaffen willst.
Weil man mit Beginn des Studiums noch nicht so richtig weiß, wie man seinen Stundenplan zusammenstellen soll, wird für viele Fächer eine Empfehlung herausgegeben. Außerdem gibt es Hilfestellung durch die Studienberatung und durch Tutoren. Die Tutorien werden zumeist von den Fachschaftsräten organisiert und finden entweder vor Vorlesungsbeginn oder in der ersten Vorlesungswoche statt.
Veranstaltungsformen
Abgesehen von Projektwochen, Exkursionen und Praktika kennst du aus der Schule überwiegend den Klassenunterricht. An der Uni sehen die Veranstaltungen ein wenig anders aus:
Vorlesung
Von einer Vorlesung hast du sicher schon mal gehört, möglicherweise auch schon ein(ig)e besucht, zum Beispiel auf dem Hochschulinformationstag. Die Vorlesung ist die klassische Veranstaltungsform an einer Universität: In einem Hörsaal – der größte an der Uni Halle ist das Auditorium Maximum mit 520 Sitzplätzen – referiert ein Professor, Dozent oder wissenschaftlicher Mitarbeiter zu einem im Vorlesungsverzeichnis beschriebenen Thema. In der Regel erhältst du Unterlagen und Literaturlisten zum Thema, hörst aufmerksam zu und schreibst alles Wichtige mit. Zumeist kannst du die Inhalte in den dazugehörenden Lehrbüchern nachlesen, aber oft werden in Vorlesungen auch die neuesten Forschungsergebnisse mitgeteilt, die noch in keinem Lehrbuch zu finden sind.
Seminare und Übungen
Nicht weniger wichtig als Vorlesungen sind Seminare und Übungen, die in etwa den Leistungskursen entsprechen, die du aus der Schule kennst. In Seminaren und Übungen werden Referate gehalten, Hausarbeiten geschrieben und das erarbeitete Wissen von den Studierenden in Vorträgen oder Präsentationen vorgestellt. Anders als in Vorlesungen können hier die behandelten Themen intensiv diskutiert werden.
Die Module deines Bachelor-Studiums bestehen überwiegend aus einer Vorlesung und den dazu gehörenden Übungen und Seminaren. In den Klausuren zum Abschluss des Semesters wird dann das Gelernte beider Veranstaltungen überprüft.
Laborarbeit und Exkursionen
In vielen Fächern, vor allem natürlich in den naturwissenschaftlichen, gehören auch Arbeiten in Laboren bzw. Werkstätten sowie Exkursionen zum Studium. Auch die hier erarbeiteten Forschungsergebnisse werden am Ende des Semesters in Prüfungen abgefragt.
Besonders in Seminaren und Übungen und in den Laborpraktika besteht Anwesenheitspflicht. Du kannst an der Abschlussprüfung nur teilnehmen, wenn du die Veranstaltung regelmäßig besucht hast.
Arbeitszeit
Nehmen wir an, du hast einen Plan von insgesamt 20 Stunden Lehrveranstaltungen in der Woche zusammengestellt. Das erscheint auf den ersten Blick nicht besonders viel, da du aus der Schule ja durchaus 30 Wochenstunden gewohnt bist. Davon darfst du dich aber nicht täuschen lassen: Lehrveranstaltungen brauchen Vor- und Nachbereitungszeit, oft musst du Fachbücher und Artikel in Fachzeitschriften lesen oder Übungsaufgaben lösen. Das solltest du bei deiner Stundenplangestaltung berücksichtigen.
Die Frage nach der konkreten Arbeitszeit, die du in dein Studium investieren musst, ist nicht so leicht zu beantworten. Der Aufwand hängt zum Beispiel davon ab, welche Fächerkombination du gewählt hast oder ob du dein Studium durch Nebentätigkeit finanzieren musst. In der Regel ist ein Studium an einer Universität aber ein Full-Time-Job. Um die für den Bachelor-Abschluss erforderlichen 180 Credit-Points in sechs Semestern zu erreichen, hast du etwa eine 35-Stunden-Woche bei sechs Wochen Urlaub im Jahr.
Eigenverantwortung
Wie du ja selbst erfahren hast, findet das Lernen in der Schule, mal abgesehen von den Hausaufgaben, unter gezielter Anleitung der Lehrer im Unterricht statt. Beim Studium dagegen wird viel stärker von dir erwartet, dass du den Lernstoff selbstständig vor- und nachbereitest. Wie und wann du das machst, interessiert die Lehrenden eher weniger.
Vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern besteht das Studium fast nur aus der Bearbeitung von Texten. In den Veranstaltungen werden die Texte nicht mehr gemeinsam gelesen, sondern nur noch besprochen. Den größten Teil der Arbeit leistest du also ohne Anleitung zu Hause am Schreibtisch, in den Bibliotheken oder in Lerngruppen.
Fünf Monate im Jahr sind vorlesungsfrei. Urlaub ohne Ende – könnte man denken. Aber auch hier gilt wie bei der Zahl der geplanten Wochenstunden: Einen großen Teil der freien Zeit brauchst du für das Studium – nur eben nicht für Lehrveranstaltungen. Stattdessen wirst du in den Semesterferien – je nach gewähltem Fach – Praktika absolvieren, im Labor arbeiten oder Klausuren vorbereiten. Vor allem Hausarbeiten, also in Heimarbeit erstellte wissenschaftliche Aufsätze, nehmen viel Zeit in Anspruch, durchschnittlich etwa einen Monat.
Was wir aber auch keineswegs verschweigen wollen: Wenn du erst in deinem Beruf arbeitest, hast du nie wieder so viel zusammenhängende Zeit für dich. Nutze sie also kreativ!