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Über 500 Jahre bewegte Geschichte

Die heutige Martin-Luther-Universität ist aus zwei Hochschulen entstanden. Die „Leucorea“ wurde 1502 in Wittenberg gegründet, die „Friedrichs-Universität“ 1694 in Halle. Nach den Napoleonischen Kriegen wurden beide Universitäten 1817 in Halle vereinigt – eine Besonderheit, die noch heute ihren symbolischen Ausdruck im Doppelsiegel findet.

Die Universität ist stetig gewachsen und hat sich über die gesamte Innenstadt verbreitet. Viele Institute sind in alten Villen oder historischen Gebäuden untergebracht. Daneben wurden aber auch zahlreiche Universitätsgebäude neu errichtet oder umfassend renoviert, beispielsweise am Weinberg Campus im Westen Halles, an dem inzwischen sämtliche naturwissenschaftlichen Fächer der Uni konzentriert sind.

Wir haben hier einmal die wichtigsten Daten zur Geschichte der Martin-Luther-Universität zusammengestellt:

1502

Die Universität Wittenberg „Leucorea“ wird gegründet, um Juristen, Theologen und Mediziner auszubilden. Hier lehren unter anderem der Reformator Martin Luther und der Philosoph Philipp Melanchthon. Durch sie entwickeln sich die Stadt und die Uni zum geistigen Zentrum der Reformation. Melanchthon liegt die individuelle Betreuung der Studienanfänger und die Schulung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit besonders am Herzen.

1531–1539

Die Neue Residenz wird als erste hallesche Uni neue_residenz_01_txdam2412_61cdbc.jpggebaut. Außerdem wird sie zum Ausgangspunkt wertvoller universitärer Sammlungen sowie richtungsweisender wissenschaftlicher Einrichtungen. Doch die erste Universität der Stadt muss bald wieder schließen. Durch die Reformation sinken die Studentenzahlen und der katholischen Uni fehlt das Geld.

1694

Friedrich III. (Kurfürst von Brandenburg und später König Friedrich I. in Preußen) stiftet die Uni Halle. Sie trägt den Namen „Friedrichs-Universität“. An der Gründung sind der Rechtsgelehrte Christian Thomasius und der Philosoph Christian Wolff entscheidend beteiligt. Durch sie wird Halle zu einem der Ausgangspunkte der deutschen Aufklärung.

1696

Die heutige UULB_04_txdam1660_61cdbc.jpgniversitäts- und Landesbibliothek wird als Universitätsbibliothek gegründet. Mit 5,55 Millionen Bestandseinheiten ist sie heute die größte wissenschaftliche Allgemeinbibliothek in Sachsen-Anhalt.

1717

In Halle wird das erste deutsche Universitätsklinikum eröffnet.

1754

Nach heftigem Kampf um die Zulassung promoviert Dorothea Christiane Erxleben an der Medizinischen Fakultät.

1806

Im Oktober nehmen napoleonische Truppen Halle ein. Die Uni wird bis zum Dezember 1807 geschlossen. Ihr bisheriges Hauptgebäude, die Ratswaage, funktioniert die Besatzungsmacht zum Lazarett um.

1814

Napoleon lässt auch die Uni Wittenberg schließen.

1815

Mit dem Wiener Kongress kommen die sächsischen Gebiete um Wittenberg zu Preußen und die Universität von Wittenberg wird nach Halle verlegt. Bis zur Reichsgründung ist die Uni einem ständigen Säuberungsprozess ausgesetzt. Professoren, die sich mit der Napoleonischen Fremdherrschaft arrangiert haben, werden zurückgestuft oder entlassen.

1817

Beide Universitäten werden in Halle vereinigt. logo_mlu.jpgDie Uni trägt nun den Namen „Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg“. Diese Besonderheit findet im Doppelsiegel symbolischen Ausdruck. Es besteht aus den beiden Siegeln der Universitäten Halle (links) und Wittenberg (rechts), die diese jeweils seit ihrer Gründung führten. Sie zeigen die jeweiligen Stifter der Unis.

1834

Die Universität zieht in das neue Hauptgebäude Loewengebaeude_von_oben_01.jpgauf dem Uniplatz, das nach den Plänen der Architekten Ernst Friedrich Zwirner, dem späteren Kölner Dombaumeister, und Wilhelm Heinrich Matthias errichtet wurde. Im Jahre 1868 setzt man links und rechts der Freitreppe die Löwen vom inzwischen entfernten Marktbrunnen. Daher stammt der noch heute geläufige Name "Löwengebäude". Heute sind hier nicht nur Hörsäle, sondern auch das Immatrikulationsamt, die Allgemeine Studienberatung und die Zentrale Kustodie untergebracht.

1848

Nach der gescheiterten Deutschen Revolution werden erneut mehrere Professoren und Dozenten entlassen oder ins Exil gedrängt. Doch durch den Generationswechsel in der Professorenschaft gehört die Uni wieder zu den bedeutendsten im deutschen Sprachraum.

1933

Die „Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg“ erhält den Namen „Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg“.

19331945

In der Zeit des Nationalsozialismus ist die Universität erneut Säuberungen ausgesetzt. Als Grund für die Entlassung von mehreren Professoren und Dozenten werden jüdische Abstammung, jüdische Ehefrauen, politisches Engagement für die Sozialdemokratie oder Homosexualität angegeben. Während des Zweiten Weltkrieges engagieren sich mehrere Professoren in der deutschen Kriegswirtschaft, vor allem als externe Berater von Industrieunternehmen oder auf dem Gebiet kriegswichtiger Grundlagenforschung. Es gibt auch Proteste: Im Jahr 1944/45 gründen einige Professoren Widerstandsgruppen, was 1945 die beinahe friedliche Übergabe der Stadt Halle an das amerikanische Militär zur Folge hat. Ein Professor gehört zu den Verschwörern des 20. Juli 1944. Ein Ehrensenator wird wegen seiner Beteiligung an den Umsturzplänen hingerichtet.

1946

Unter der Aufsicht der amerikanischen Besatzungsmacht gelingt der Uni eine demokratische Erneuerung, die von der Sowjetischen Militäradministration jedoch als nicht zukunftsfähig eingestuft wird. Außerdem ist die Universität stalinistischen Säuberungen ausgesetzt.

1953

Am 17. Juni kommt es in der DDR zum Arbeiteraufstand. Die Proteste und Streiks bilden den ersten Aufstand gegen Stalin. Zahlreiche Studenten und Lehrbeauftragte beteiligen sich an den Demonstrationen. Viele Professoren engagieren sich später für die Verhafteten.

1989/90

Nach der Wende werden viele Professuren neu besetzt, mehr als die Hälfte mit auswärtigen Bewerbern. Der Zustrom junger Hochschullehrer sorgt nicht nur für neue Ideen und Projekte an den Instituten, sondern auch zu einer wesentlichen Ausweitung der internationalen Kontakte der Universität. Mittlerweile verfügt sie über 43 Partneruniversitäten weltweit.

1994

Die Universität feiert den 300. Gründungstag ihres halleschen Zweigs.

1997

Die Planungen für den Wissenschafts- und Innovationspark auf dem ehemaligen Kasernengelände in Heide-Süd beginnen.

2002

Das Auditorium Maximum auf dem Uniplatz wird Uniplatz_Audimax_02_txdam1422_61cdbc.jpgeingeweiht. Hier haben nun in 3 Hörsälen 1120 Personen Platz. Das puristische Gebäude bildet einen eindrucksvollen Kontrast zu den anderen historischen Unigebäuden des 19. Jahrhunderts. Außerdem begeht die Universität das 500. Gründungsjubiläum ihres Wittenberger Zweigs mit einem Festjahr und einer Landesausstellung im Löwengebäude.

2009

Mit dem Umzug der Institute für Agrar- und seckendorff_danckelmann_pla.jpgErnährungswissenschaften, Physik und Chemie an den Von-Danckelmann-Platz sind nun sämtliche Naturwissenschaften der Uni in Heide-Süd konzentriert. Der Weinberg Campus ist der zweitgrößte naturwissenschaftliche Campus der neuen Bundesländer.