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"Die Chancen für Akademiker werden sich weiter verbessern." Thomas Ketzmerick, Zentrum für Sozialforschung Halle




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Basis für lebenslanges Lernen

Thomas Ketzmerick vom Zentrum für Sozialforschung Halle über die Vorteile des Studiums

Herr Ketzmerick, Sie forschen seit mehr als zehn Jahren zu den Themen Arbeitsmarkt und Erwerbsverläufe. Was sagen die Daten: Lohnt sich ein Studium?

Auf jeden Fall. Statistisch gesehen haben Akademiker größere Beschäftigungssicherheit und ein höheres Einkommen als beispielsweise Facharbeiter.

Lässt sich das in Zahlen ausdrücken?

Ja. Auch wenn die Arbeitslosenquoten konjunkturbedingt schwanken, bleibt das Verhältnis zwischen den Bildungsgruppen in etwa gleich: Personen mit einem Hochschulabschluss sind nur halb so stark von Arbeitslosigkeit betroffen wie Facharbeiter. Aktuell sind das etwa 4 gegenüber 8 Prozent. Zugleich ist das Einkommen gut ein Drittel höher. Facharbeiter verdienen im gesamtdeutschen Durchschnitt rund 2400 Euro brutto im Monat, Akademiker mehr als 3800 Euro.

Gibt es weitere Gründe, die für ein Hochschulstudium sprechen?

Die gibt es durchaus. Ein Studium ist die Basis für lebenslanges Lernen. Diese Fähigkeit, die man mit einem Studium ja auch nachweist, wird immer wichtiger. Noch vor wenigen Jahrzehnten galt eine solide Berufsausbildung als Garant für lebenslange Beschäftigung, meist sogar in einem bestimmten Betrieb. Das ist heute nicht mehr so.

Aber ist der deutsche Arbeitsmarkt mit Akademikern nicht bereits gut versorgt?

Die Bildungsexpansion in den 70-ern hat in der Tat zu einer hohen Akademikerquote geführt. Doch diese Jahrgänge gehen jetzt auf die Rente zu, so dass es in nächster Zeit nicht nur zu einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, sondern – demografisch bedingt – sogar zu einem Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften kommen wird. Damit werden sich die Chancen für Jungakademiker weiter verbessern.

Betrifft diese Entwicklung alle Studienrichtungen gleichermaßen?

Nicht ganz. Bereits heute klagen die Unternehmen über ein Unterangebot an Absolventen der sogenannten „MINT-Berufe“ – also Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker. Vor diesem Hintergrund wird sogar von einer „Konjunkturbremse“ gesprochen. Absolventen dieser Fachrichtungen haben momentan besonders gute Chancen auf einen sicheren und gutbezahlten Arbeitsplatz.

Sie raten also dazu, eher ein technisch-naturwissenschaftliches Studium anzustreben?

Nicht unbedingt. Im Leben zählen ja schließlich nicht nur Erfolgsaussichten und Geld, sondern auch Neigungen und Interessen. Geisteswissenschaftler beispielsweise haben ein sehr breit angelegtes Studium und sind nicht so stark auf klassische Erwerbstätigkeiten fixiert. Durch diese Flexibilität haben auch sie gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Sie selbst haben in Halle Soziologie studiert. Wie haben Sie das Studium erlebt? Was spricht für die Martin-Luther-Universität?

Ich bin Anfang 1991 nach Halle gekommen, da war noch so ziemlich alles im Umbruch. Und wir waren eine recht kleine Truppe mit engem Kontakt zu den Professoren und Dozenten. Ob die Profs auch heute noch mit ihren Studenten ein Bier trinken gehen, weiß ich nicht. Aber die Betreuungssituation ist im Vergleich zu anderen Universitäten nach wie vor sehr gut. Außerdem ist in Halle die Lebensqualität sehr hoch – bei zugleich moderaten Lebenshaltungskosten. Für mich jedenfalls ist Halle zu einer neuen Heimat geworden.