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"Es ist wichtig, Neues auszuprobieren, damit man nicht beim Traditionellen stehenbleibt." Annegret Hahn, Intendantin des Thalia Theaters




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Thalia Theater – experimentierfreudig, phantasievoll und ungewöhnlich

Das Thalia Theater ist für seine unkonventionellen Projekte innerhalb der Theaterlandschaft bekannt. Das belegen auch die vielen Preise, die es innerhalb der letzten Jahre gab. Trotz der Bezeichnung „Kinder- und Jugendtheater“ richten sich die Stücke durchaus auch an Erwachsene. Wir möchten das Theater ein wenig genauer vorstellen und haben uns mit Annegret Hahn unterhalten, die seit 2001 die Leitung inne hat.

Was zeichnet das Thalia Theater als Kinder- und Jugendtheater aus?

Zunächst der experimentelle Charakter. Wir suchen für Kinder und Jugendliche nach neuen Formen, wie sie die Wirklichkeit auf der Bühne darstellen können. Viele Formate liegen außerhalb des Traditionellen. Exemplarisch ist die Kinderstadt. Hier haben Kinder die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von einer idealen Stadt umzusetzen. Außerdem fühlen wir uns für die Problemlagen von Kindern und Jugendlichen verantwortlich. Wir möchten für sie ein Sprachrohr sein, da sie im gesellschaftlichen Leben noch keine Stimme haben. Theater sollte immer die Probleme in der Region aufgreifen und in eine theatralische Form bringen.

Wie setzt sich Ihr Ensemble zusammen?

Wir haben Schauspielabsolventen von den unterschiedlichsten Schulen. In der Regel bleiben sie dann drei Jahre hier vor Ort. Wir haben auch ein Stipendiatenprogramm mit der Deutschen Bank Stiftung für junge Hochschulabsolventen entwickelt. Sie sollen die Chance haben, Vermittlungsformen für Kultur auszuprobieren. Es ist interessant zu sehen, wie ein noch junger Mensch nach seinem Studium die Welt sieht und wie er sie für Kinder und Jugendliche abbilden will.

Inwiefern hat Sie die Arbeit mit den Jugendlichen und Kindern verändert?

Manchmal empfinde ich beim Theater nur marginale Unterschiede. Aber Kinder- und Jugendtheater habe ich als lebensnotwendig erfahren – sowie die Reaktionen der Kinder. Von diesem Vermögen, so auf der Bühne zu spielen, kann man nur lernen. Ich finde, dass es einem Erwachsenen nicht mehr möglich ist, sich auf Dinge so einzulassen. Er geht eher auf Distanz.

Also hat sich auch der Stellenwert von Theater für Sie verändert?

Auf jeden Fall. Außerdem ist Kinder- und Jugendtheater für mich eine Herausforderung, Neues auszuprobieren, damit man nicht beim Traditionellen stehenbleibt. Man versucht herauszubekommen, wie sich Kinder und Jugendliche ihre Welt gedanklich und spielerisch vorstellen. Und der Perspektivenwechsel macht klar, wie viel in dieser Gesellschaft nicht stimmt.

Besuchen auch Studenten ihre Stücke?

Die meisten Studenten fühlen sich einem Kinder- und Jugendtheater entwachsen. Großen Anklang finden aber die Stücke, die wir auf dem Uniplatz spielen. Die Idee stammt eigentlich von den Mitarbeitern des Studentenclubs Turm. Sie wollten die Hits der Weltliteratur spielen, konnten es aber nicht umsetzen. Später haben wir dann die Idee übernommen und sind mit Romeo und Julia auf den Platz gegangen. Das war vor fast zehn Jahren und heute spielen wir noch immer ein paar unserer Stücke dort. Wir haben zum Beispiel auch den Roman „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann dort inszeniert. Aber das ideale Stück ist wohl Romeo und Julia. Der schönste Platz der Stadt bietet sich einfach dafür an.

Wie schätzen Sie die Kulturszene in Halle ein?

Ich finde es toll, dass es hier eine Hochschule für Kunst und Design gibt und dass mit den Händelfestspielen eine Möglichkeit für ein großes Festival gegeben ist. Die Architektur in dieser Stadt zeigt den noch spürbaren Reichtum, zum Beispiel die Franckeschen Stiftungen. Außerdem fängt jeder in dieser Stadt an zu bauen. Das ist ein echtes Phänomen. Manchmal entstehen dadurch neue Festungen, die dann erst wieder erobert werden müssen. Man ist aber selbst nicht ganz frei davon, sich seine eigene Festung zu schaffen. Ich habe auch nie gedacht, dass wir uns ein Haus kaufen und anfangen zu bauen. Aber die Stadt hat ein sehr schönes Potenzial.