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Hier bekommst du ein paar Eindrücke vom Puppentheater

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Puppentheater – Mit Vierfüßlern und Schattenspiel

Das Puppentheater Halle fasziniert mit seiner ungewöhnlichen Verknüpfung von Schauspiel und Puppenspiel nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Denn hier werden nicht nur Märchen und Kinderbuchadaptionen inszeniert. Für Erwachsene gibt es einen eigenen Spielplan mit Stücken wie Shakespeares "Sommernachtstraum" oder Thomas Manns "Buddenbrooks". Das Ensemble spielt auf zwei Bühnen des Hauses, auf internationalen Festivals und auf Gastspielen in der ganzen Welt. Das Puppentheater ist ein Teil der Kulturinsel, auf der auch das neue theater zu finden ist. Wir haben mit dem Chefdramaturgen des nt gesprochen und möchten euch einen Einblick in das Puppentheater geben.

Seit wann gibt es das hallesche Puppentheater?

Ab den 1950er Jahren wurden in der DDR Puppentheater gegründet. Daher ist das Ensemble-Puppenspiel, bei dem fünf oder mehr Puppenspieler auf der Bühne agieren, beinahe eine osteuropäische Spezialität. In Westeuropa gab es nichts Vergleichbares, jedenfalls nicht von der Größe der Häuser und der Ensembles her. Das Puppentheater Halle besteht seit 1954. 1995 gab es einen Neustart unter dem damaligen künstlerischen Leiter und heutigen Intendanten Christoph Werner. Seitdem gibt es auch ein Repertoire für Erwachsene. Wir inszenieren auch größere Projekte mit anderen Theatern oder Institutionen, zum Beispiel mit der Volksbühne Berlin, dem Schauspiel Stuttgart oder den Wiener Festwochen.   

Wer besucht Ihre Veranstaltungen?

Wir haben ein Repertoire für Familien, das wir vor allem an den Wochenenden spielen. Die Kinder sind in der Regel zwischen fünf und zwölf Jahre alt, wobei die Erwachsenen natürlich auch etwas davon haben sollten. Und wir haben einen Abendspielplan für Erwachsene, für die wir inzwischen mehr spielen als für Kinder.

Was für Stücke realisieren Sie?

Pro Spielzeit inszenieren wir drei bis vier Stücke für Erwachsene und zwei bis drei Stücke für Kinder. Für die Erwachsenen adaptieren wir große Stoffe wie Thomas Manns „Buddenbrooks“, klassische Stücke wie Shakespeares „Wie es euch gefällt“ und moderne Dramatik wie Martin Heckmanns „Das wundervolle Zwischending“. Wir inszenieren auch Crossover-Produktionen, in denen Puppenspieler und Schauspieler zusammen auf der Bühne stehen. Die Schauspielerin Sandra Hüller wurde gerade als „Schauspielerin des Jahres“ geehrt, unter anderem für eine Inszenierung am Puppentheater Halle. Das Stück heißt „Virgin Queen“ und beschäftigt sich mit dem Leben von Elisabeth I., allerdings sehr trashig und komisch. Im Spielplan für Kinder und Familien dominieren Adaptionen von Kinderbüchern und Märchen.

Und wer entwirft die Puppen?

Wir arbeiten mit erstklassigen Puppenbauern zusammen. Die setzen sich mit Regisseur und Bühnenbildner zusammen und überlegen sich ein Konzept für das Stück. Danach entstehen die ersten Entwürfe und der Puppenbauer macht sich ans Werk. Die Kleidung der Puppen stellen wir oft im eigenen Haus her.

Wie kann man sich die Puppen vorstellen?

Wir arbeiten mit vielen verschiedenen Puppenarten bis hin zu Schattenspiel und Objekttheater, bei dem unterschiedliche Materialien als Basis einer Inszenierung dienen. In den letzten Jahren haben wir seltener mit Handpuppen und klassischen Marionetten gespielt. Hauptsächlich arbeiten wir mit sogenannten „Vierfüßlern“. Das sind Puppen, die von zwei Spielern direkt, also ohne Umwege über Stäbe und Fäden, geführt werden und die daher sehr beweglich sind. Unsere menschengroße Puppen rufen eine besondere Wirkung hervor. Wenn man das zum ersten Mal sieht, traut man seinen Augen kaum. Es ist, als wären die Spieler verdoppelt. Die Gesichter unserer Puppen wurden in den letzten Jahren ernster und nicht mehr so karikaturistisch. Sie sehen mehr aus wie wir.

Wie groß ist das Ensemble?

Zurzeit haben wir acht Puppenspieler, die alle an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch" Puppenspielkunst studiert haben.

Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich durch die Puppen im Vergleich zum Schauspieltheater?

Beim Puppentheater werden die Darsteller hergestellt. Die Puppe ist lebloses Material und wird erst durch die Kunst der Animation lebendig, wodurch eine Illusion entsteht. Dessen ist sich der Zuschauer auch bewusst. Unsere Herausforderung besteht nun darin, dass er dieses Wissen beim Zuschauen nicht mehr wahrnimmt. Erst dann gelingt der Abend. Die Puppen aus dem Stück „Buddenbrooks“ sehen zum Beispiel so aus, als seien sie direkt aus dem Buch entsprungen.

Wie schätzen Sie den Ruf des halleschen Puppentheaters ein?

Wir haben ein treues und interessiertes Publikum. Wir sind auch oft auf Festivals zu Gast. Wir waren mit unseren Produktionen in Kanada, Japan, Indien, Frankreich, Irland und viel im deutschsprachigen Raum. Es gibt mehr Gastspielanfragen, als wir annehmen können. Unser Puppentheater wird auch öfter mit Preisen geehrt. In diesen Tagen wurde unsere Inszenierung „Aller Anfang. Eine Schöpfungsgeschichte“ zum Theatertreffen „Augenblick mal!“ nach Berlin eingeladen. Dort werden die zehn besten Inszenierungen für Kinder und Jugendliche aus dem deutschsprachigen Raum gezeigt, und wir freuen uns, dass wir bereits zum vierten Mal dabei sind.